Kunst, Kultur und genußvolle Atmosphäre auf dem Lande

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K I R S C H
Begegnungen

Ausstellung vom 17. Oktober bis 8. November 2015

Hiermit laden wir Sie herzlich ein
zur Eröffnung der Ausstellung
am 17. November 2015 um 14 Uhr in die
Galerie im Herrenhaus zu Dobis.




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Begegnungen

Feinsinnige Malerin begegnet begnadetem Holzgestalter – so könnte man diese Ausstellung auch titeln. Jedenfalls profitiert die Kunst von Ursula und Dietmar Kirsch von deren gegenseitiger Inspiration, aus der vollendete Gemeinschaftswerke entstehen.
Er liefert hölzerne Plastiken, denen sie mit Farbe Leben einhaucht. So erschaffen beide phantasievolle Gebilde, die den Betrachter verzaubern: Der geheimnisvolle Puppenspieler etwa oder Damen mit Fisch, Vogel oder Katze, Harlekine, Brautpaare, Winterfrauen oder Herbstmänner, Vögel und Katzen.
Jede Figur gleicht einer Inszenierung, als sei sie Teil eines Theaterstücks. Märchenhaft, poesievoll oder skuril kostümiert betreten diese Figuren ihre Bühne, für uns, für den Betrachter, den gleichzeitig ein Feuerwerk an Farben überrascht. Sie hätten Applaus verdient.
All diese großen und kleinen hölzernen Protagonisten kommen mit Gefolge daher, als seien es ihre Requisiten. Das sind Kaltnadelradierungen, hölzerner bemalter Schmuck oder Malereien auf Leinwand und weiteren Materialien.

Wir freuen uns, daß für Kirsch’s Inszenierungen aus Holz und Farbe nun unsere Galerie eine Zeitlang eine würdige Bühne sein kann.

Edith Scholz, Dobis,
September 2015






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Uwe Pfeifer

Tagtraum

Ausstellung vom 29. August bis 11. Oktober 2015

Hiermit laden wir Sie herzlich ein
zur Eröffnung der Ausstellung
am 29. August 2015 um 14 Uhr in die
Galerie im Herrenhaus zu Dobis.




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Uwe Pfeifer
Es ist bestimmt kein Zufall, dass auf dem Umschlag des Taschenbuches des DuMont Buchverlages Köln von 1980 „Die Malerei in der DDR 1949-79“ ausgerechnet ein Bild von Uwe Pfeifer abgebildet ist. Es handelt sich um das Bild Feierabend von 1977. Eine gesichtslose Menschenmenge durchschreitet eine Unterführung, vorbei an Kachelwänden und leeren Betonpapierkörben auf eine Treppe zu, die vielleicht ans Licht führt. Dieses Bild zeigt überdeutlich die besondere Qualität, die Pfeifers Malerei von Anfang an ausgezeichnet hat, die kritische Wahrnehmung der Wirklichkeit, die zugleich Fragen unserer gesamten Existenz aufwirft, ohne zu böswilligen Schlüssen zu führen. Er zeigt, was ist. Er ist ein Realist, dessen Malerei mit analytischer Intelligenz einen Zustand beschreibt. Das hat er früher gemacht, das macht er heute.
Uwe Pfeifer ist 1947 in Halle geboren. Als Künstler aber ist er kein richtiger Hallenser, wenn es auch mit Karl Völkers Bildern aus den 20er Jahren direkte Bezugslinien zu Pfeifers späterer Sicht auf die entwickelte Industriegesellschaft gibt. Bahnhof und Beton waren bereits alarmierende Werke, an die Pfeifer direkt anzuknüpfen scheint. Erst einmal hat er nach dem Abitur und einer Lehre als Gebrauchswerber Halle verlassen, und zwar in unsere vielgeliebte Nachbarstadt Leipzig, die sich hinsichtlich der Künste ziemlich anders versteht. Größere und eigentlich auch disparatere Gegensätze sind kaum vorstellbar. Zwei seiner Lehrer, Werner Tübke und Wolfgang Mattheuer, gehören zu den stilbildenden Giganten einer bestimmten Auffassung, die allgemein als „Leipziger Schule“ verstanden wird und die auch heute als „Neue Leipziger Schule“ einen entscheidenden Anteil an der Entwicklung einer zeitgemäßen realistischen Malerei hat. In Leipzig kam Pfeifer ins Zentrum einer lebendigen Szene. Er hat dort viel gelernt: das Handwerk, wie nirgends sonst besser, und die Beziehung zu Inhalten. Leipziger Schule heißt eben auch, die Kunst gibt sich nicht mit Formen zufrieden, sie will auch etwas darstellen.
Er kam zwar zurück nach Halle, aber nach Halle-Neustadt, also einem Nicht-Halle besonderer Art. Seine Malerei erregte sofort Aufsehen. Er wurde für sein Können bewundert, aber eben wie ein Fremder aus einem fernen Land. Halle-Neustadt war nun sein Zuhause, und auch sein Thema. Sein malerischer Zugriff dort ist von einer bewunderungswürdigen Schonungslosigkeit, die in schmerzhafter Ambivalenz mit Heimatliebe einhergeht. Leere, Weite, Himmel.
Das hat sich erhalten, auch, als er 1978 nach Halle gezogen ist, zuerst in ein Halle-Neustadt-artiges südliches Viertel, schließlich ganz in die Mitte, direkt auf den Marktplatz.
Ein wesentlicher Bestandteil des Werkes von Pfeifer ist die Druckgraphik. Von Bedeutung für ihn war besonders der Flachdruck. Im Grunde gibt es drei Druckverfahren. Beim Holzschnitt und den herkömmlichen Lettern drucken die oben liegenden Teile, deshalb spricht man von Hochdruck. Beim Tiefdruck bleibt Farbe in gekratzten oder geätzten Vertiefungen hängen, nachdem die Druckplatte abgewischt wurde. Der Flachdruck bedient sich der unterschiedlichen Eigenschaften von Fett und Wasser, das ist ein rein chemisches Verfahren. Man bezeichnet eine Zink- oder Aluminiumplatte mit fettiger Tusche oder Kreide und stabilisiert durch Säure diesen Zustand. Die fette Druckfarbe wird bei leicht angefeuchteter Platte nur von den fetten Stellen angenommen. Diese Technik war zuerst die Lithographie, die industriellen Offsetverfahren beruhen darauf. Wird von Druckträgern direkt abgezogen entsteht ein seitenverkehrtes Bild, beim Offset ist der Druck nicht direkt, sondern über ein Gummituch und seitenrichtig.
Als Lehrender für Lithographie an der Burg hat Uwe Pfeifer die Techniken des Flachdrucks ins Zentrum auch der eigenen Arbeit gerückt und in schöpferischer Kontinuität und mit technischer Brillanz ein beachtliches Werk geschaffen, von dem wir nun hier einen winzigen Ausschnitt sehen können. Die thematische Vielfalt ist erheblich, es gibt Stilleben und Landschaften, und sie reicht von inhaltlichen Miniaturen bis zu tiefernsten, erzählerischen Szenen, die philosophische Abgründe eröffnen: Tagträume. So bewundern wir nicht nur seine zeichnerische und graphische Meisterschaft, sondern auch eine positive und durchaus ernste Weltsicht.
Ich wünsche mir nun, dass unsere heutige verunsicherte Kunstszene in der Lage ist, diese eindeutige und großartige Leistung zu erkennen und eingebettet zu sehen in einen großen Bogen bildnerischer Werke, als die lebendige Weiterführung einer gewachsenen realistischen künstlerischen Tradition.

Helmut Brade, Dobis, 29. August 2015




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Bernd Göbel

Holzschnitte und Fayencen

Ausstellung vom 18. Juli bis 23. August 2015

Hiermit laden wir Sie herzlich ein
zur Eröffnung der Ausstellung
am 18. Juli 2015 um 14 Uhr in die
Galerie im Herrenhaus zu Dobis.




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Schwarz und Weiß, allein jeweils ein belangloses Nichts, gemeinsam runden sie die Körper.
Liegt der Akt am Strand in der Mittagssonne, sieht man ihn fast als gebräunte Fläche. Erst im Aufstehen, wenn sich die im Sand gelegene Front mit Schatten bedeckt, entsteht ein faßbares Volumen. Beim Holzschnitt braucht der weiße Körper die schwarze Linie als Begrenzung, auch die schwarze Fläche ist möglich, um ihn wahrzunehmen. Das Spiel läßt sich variieren, Grau entsteht aus der Mischung von zartestem Schwarz und Weiß in gleichmäßiger Folge, auch bei schwarzer Druckfarbe. Immer aber ist mein Bemühen, mit den beiden extrem voneinander entfernten Farben Raum zu erzeugen, ohne das Thema zu verlieren. Am Anfang waren die Figuren weiß, die Zutaten im Raum dunkel. Die Entdeckung der Landschaft für den Holzdruck brachte Strukturen ins Spiel, die meist schon in der Zeichnung angelegt waren. Landschaften sind nie erfunden, stets irgendwo gezeichnet, Weltausschnitte, die ein Verlangen nach Harmonie befriedigen. Figuren und Handlungen werden erfunden, sie folgen meist einem Gedanken, der aus der Realität entspringt und deswegen seltener Harmonisches spiegelt.
Die keramische Form mit glänzendem Weiß zu überziehen und diese mit Schwarz zu dekorieren hat mit dem Holzschnitt nur insofern zu tun, daß die Bemalung von ähnlichen wenn auch nicht proportionalen Empfindungen veranlaßt ist, eine bestimmte Konstellation zwischen Weiß und Schwarz zu erzeugen. Helfen die schwarzen Linien innerhalb einer weißen Figur auf der Fläche, die körperliche Präsenz zu steigern, wirken die Schwärzungen bei den Fayencen oft gegen und über Formgrenzen hinweg wie eine Konfrontation.
Mitunter geht aber alles auch ganz andere Wege – glücklicherweise.
Bernd Göbel, 2015





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Während der laufenden Ausstellung
„Günther RechnMalerei und Graphik“
präsentiert die hallesche Fotografin

EVA MAHN

am Sonnabend, dem 13. Juni um 14 Uhr
ihren gerade im Hasenverlag erschienenen Fotoband

PARADIES: ROT



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Günther Rechn
Spazierstöcke & Bilder

Ausstellung vom 6. Juni bis 12. Juli 2015

Hiermit laden wir Sie herzlich ein
zur Eröffnung der Ausstellung
am 6. Juni 2015 um 14 Uhr in die
Galerie im Herrenhaus zu Dobis.









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»Das ist der Maler Günther Rechn« raunte man sich in Halle zu, wenn der Mann mit den zwei großen Doggen unterwegs war. Es waren die bewegten 68iger, als ich Günther Rechn das erste Mal begegnete.
Ich war als Studentin mit Kommilitonen Gast im damaligen »Paddlerheim« in Kröllwitz, einer Szenekneipe, in der sich Studenten und Künstler trafen. Einer meiner Kommilitonen spielte dort immer Klavier. Es wurde getanzt, diskutiert und philosophiert.
An einem solcher Abende forderte mich ein älterer Herr zum Tanz auf. Ich hatte keine Lust und lehnte ab. Günther Rechn, der diese Szene beobachtet hatte, sagte zu mir: »Weißt du, wer das ist, es ist Albert Ebert, ein berühmter Maler, du mußt mit ihm tanzen«. Das habe ich dann auch getan, einen ganzen Abend lang. Der Tanz bestand aus einer Gewichtsverlagerung von einem Bein auf´s andere, das Gespräch dagegen war umso bewegter. So lernte ich das Leben von Albert Ebert kennen.
In der selben Nacht durfte ich neben Günther Rechn und einigen Freunden der Einladung Albert Eberts zu einem ganz besonderen Konzert folgen, nämlich dem der Nachtigallen, auf den Saalewiesen, auf seinem Heimweg. Der neue Tag hatte längst begonnen, als wir uns aus seinem Atelier an der Kröllwitzer Papiermühle verabschiedeten.
An diesen Abend habe ich mich erinnert, als ich mich Jahrzehnte später entschloß, Günther Rechn, der inzwischen selbst zu einem berühmten Maler geworden ist, zu einer Ausstellung in unsere Galerie einzuladen.

Getroffen haben wir uns in seinem Garten in Cottbus, im Mai 2015. Diese Blütenpracht – sie ist sein Werk, ebenso wie seine Bilder. Zwei Hunde gibt es immer noch, nur sind sie inzwischen kleiner geworden. Seine Frau sagt: »Günther braucht wieder große Hunde.« Hunde, Pflanzen, Vögel, Landschaften – die Natur also berührt ihn. Das sieht man seinen kraftvollen Bildern an. Viel wurde über sie geschrieben. Am besten gefällt mir die folgende Beschreibung der Kunsthistorikerin Maike Rößiger: »Naturzustände, ob Tiere oder Landschaften, sind seine Spezialität. Als geschulter und ausgezeichneter Kenner tierischer Physiognomie finden vor allem Vögel, Pferde und Hunde Eingang in seine Bilderwelten. Die besondere Leistung besteht jedoch darin, den Charakter dieser Wesen in kleinsten Details wiederzugeben und jedes Tier als Individuum zu begreifen. Demut vor der Natur und Liebe zu ihr bedeutet dies und wir fühlen uns eigentümlich berührt, wenn uns tierische Augen unverhohlen und neugierig aus dem Bildgrund heraus anblicken.«

Nun freuen wir uns sehr, Günther Rechn in unserer Galerie auf dem Lande präsentieren zu können.

Edith Scholz







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Günther Rechn in Dobis

Günther Rechn lebt und arbeitet in Cottbus und Italien. Über Cottbus kann ich nichts sagen, außer vielleicht, dass es die Partnerstadt von Grosseto ist, und Rechn eines Tages auserkoren war, Cottbus in Grosseto als lebendes Kunstwerk zu vertreten. Das hat ihn wahrhaft verändert, um nicht zu sagen entfremdet.
Die mittelkleine italienische Stadt liegt 69 km südwestlich von Siena, nahe der Maremmenküste des Thyrrenischen Meeres. Wenn man von Pisa nach Rom fährt, kommt man vorbei. Die gleichnamige Provinz soll die bevölkerungsärmste Gegend Italiens sein, vielleicht wegen des hoffentlich dauerhaft erloschenen Vulkans, Monte Amiata, der 548 m höher ist als der Vesuv oder der Zinnobergruben und des vielen Quecksilbers, das man dort abbaut. Herrlich sind die undurchdringlichen Wälder, in denen die Spazierstöcke wachsen.

Die Spazierstöcke
Man muss sie nur sehen. Wie Pilze kann man sie suchen, viele sind auch jetzt dort. Es ist wunderbares Holz von Oliven oder den unterschiedlichsten teils unbekannten Bäumen, mal gerade gewachsen, mal gedreht, mit Seitenästen und Abzweigungen, die Tierköpfe mit Ohren und Nasenlöchern werden wollen. Mancher Spaziergänger wird im Wald herumirren und nichts sehen. Rechn sieht alles. Er sieht die mögliche Verwandlung, die Form, die ihm die Natur schenkt, die schon da ist, die er nur befreien muss, und die es ohne ihn nicht gäbe. Ich stelle mir vor, dass es eine nur langsam fortschreitende Arbeit ist, an lauen Sommerabenden mit Ruhe und Konzentration. Was da entsteht, sind magische Gegenstände, Zauberstäbe, die nur in berufene Hände fallen dürfen. Der Künstler hütet sie sorgsam, kaum dass je ein solcher Wunderstab sein Atelier verlassen hat. Die heutige Ausstellung ist die rare und erstmalige Ausnahme. Dass ich Besitzer eines solchen Stöckchens bin, wundert mich selbst, es ist eine große Ehre, ich weiß es.

Die Bilder
Rechn hat an der Kunsthochschule in Halle studiert. Das war in den späten 60er Jahren, eine gewisse akademische Tradition war noch von allgemeinem Interesse. Er hatte einige wirklich gute Lehrer. Zuerst etwas ganz Einfaches . . . Sehen lernen. Lothar Zitzmann war ein genialer Vermittler der Gesetze des bildkünstlerischen Handwerks. Wie entsteht eine Bildspannung. Wo wird sie von Harmonie getötet, wann entartet sie durch unkontrollierte Vitalität. Welche Gegensätze steigern die Wirkung, und für welchen Inhalt. Auch Willi Sitte war ein fordernder Lehrer, eine kraftvolle Persönlichkeit mit künstlerischen und moralischen Ansprüchen. Das ist an Rechn nicht vorbeigegangen. Anregend muss auch die fast gleichzeitige Präsenz eines hochbegabten und tragischen Malerkollegen gewesen sein: Harald Döring. Hier gibt es große Nähe.
Ich erspare mir genauere Auslassungen über Hunde. Es ist wahr, Rechn hat zu ihnen eine außergewöhnliche innere Beziehung, die nichts zu tun hat mit Phantasie und Begabung, sondern mit direkter Kommunikation. Er versteht Tiere besser als Menschen. Böse gesagt, hier trifft er unverstellte Kreatürlichkeit, die es beim Menschen nicht mehr gibt; dafür Theater, immer schon belastet durch den Drang nach Wirkungen und verstellt durch Interessen. Manche Bilder sind genial, immer, wenn illustrative Momente verschwinden zu Gunsten wesentlicher. Das gelingt auch bei Stilleben. Sie führen uns auf Grundwerte zurück. Nüsse, Knoblauch, Quitten, geschnittenes Korn. Ähren, wer weiß schon noch, das sie etwas zu tun haben mit dem Brot, das täglich auf unserem Tisch liegt.
Rechn ist ein richtiger Maler in einem schon fast peinlichen „gestrigen“ Sinne. Und das ist großartig. Er kann etwas, was andere durchaus nicht mehr können und vielleicht auch deshalb nicht mehr wollen. Er ist ein Künstler, ein virtuoser Artist mit Pinsel und Farbe. Er ist auch Zeichner. Er malt und zeichnet auf die selbstverständlichste Weise, bestimmt jeden Tag, ein Leben lang, immer. Man achtet ihn. Er kann uns überraschen, und zwar mit Malerei und nicht mit Worten. Seine Bilder sind vordergründig, man kann sie verstehen ohne Erklärungen. Es gibt etwas zu sehen und das wird auf eine eigene und originelle Weise vorgetragen. Er lebt die alte Sehnsucht nach Italien, über die man bei Goethe nachlesen kann, nach
dem Land, wo die Zitronen blühn, und die eine berechtigte Bestimmung von Maßstäben darstellt, die wir zuweilen zu vergessen suchen. Er hat Glück, er muss nicht alles in Frage stellen und nach originellem Unsinn suchen.
Es genügt, die Bilder anzusehen. Sie sind eine individuelle Aussage, die sich nun vom Künstler gelöst hat. Sie sind ein Hinweis auf die Schönheit unserer Welt, ein freundlicher Rat, der durch Kunst auch für uns bestimmend werden kann.

Helmut Brade, 6. Juni 2015




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Krister Follin (1936–2004)
Kalligraphie des Nordens

Malerei und Graphik
Ausstellung vom 1. bis 31. Mai 2015

Eröffnung der Ausstellung
am 1. Mai 2015 um 14 Uhr in der
Galerie im Herrenhaus zu Dobis.





Krister Follin (1936–2004) gehört zu den wichtigen Künstlern des 20. Jahrhunderts, insbesondere Schwedens und der nordischen Welt. Geboren 1936 in Stockholm studierte er in Kopenhagen, Stockholm und Rom. Nach Anregungen in vielen europäischen Städten und besonders auch durch die Wüste in Marokko sowie nach erfolgreichen Ausstellungen in Schweden, Dänemark und Italien verbrachte er die letzten Jahre seines Lebens in Südschweden, zuletzt in Glemmingebro. Seine Liebe zur heimatlichen Landschaft und das Erlebnis der Sandwüste in Afrika führten zu Formen künstlerischer Verdichtung, die changierend zwischen Natur und Abstraktion zu Werken von meditativer Dichte geführt haben. Der Begriff Kalligraphie des Nordens beschreibt sehr genau seine besondere künstlerische Sprache. Werke von ihm befinden sich unter anderem im Nationalmuseum Stockholm, in Lund und Malmö.





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Um die Welt in einem Sandkorn zu sehn
Und den Himmel in einer wilden Blume,
Halte die Unendlichkeit auf deiner flachen Hand
Und die Stunde rückt in die Ewigkeit.

Beginn von »Auguries of Innocence« (Weissagungen der Unschuld),
Pickering (Ballad) Manuscript ca. 1801- 03, S. 13-18

To see a World in a Grain of Sand
And a Heaven in a Wild Flower,
Hold Infinity in the palm of your hand
And Eternity in an hour.

William Blake





Krister Follin – 2012

Gerade noch habe ich ihn kennen gelernt, auch da noch eine geheimnisvolle Persönlichkeit mit irritierender Präsenz.

1936 in Stockholm geboren, studierte er zuerst an der Kunsthandwerkschule in Kopenhagen, dann in Stockholm, zwischendurch in Rom. Es gibt zahlreiche Radierungen dieser Jahre, von 1958 an, die ein solides akademisches Studium nachweisen. Schon damals scheint das Interesse an grafischen Techniken seine Leidenschaften bestimmt zu haben. Ein deutlicher Einfluss der klassischen Moderne ist nicht zu spüren, eher sind es Einflüsse aus seiner nordischen Umgebung, etwa von Edward Munch. Sichtbar wird von Anfang an seine „besondere“ Begabung für extreme und schon teilweise ungegenst6ändlich gedachte Komposition mit einem ganz eigenen Blick für raffinierte grafische Wirkungen. Die Begegnung mit dem wenig älteren amerikanischen Künstler Harvey Cropper als Lehrer 1962-64 in Stockholm hat wesentliche Folgen. Nachdem Follin zuerst abbildend und inhaltsbezogen gearbeitet hatte, beginnt nun eine Verdichtung zu einer eher philosophisch gedeuteten Weltsicht, die besonders auch von asiatischen Einflüssen geprägt ist. Er signiert mit einem Zeichen wie ein japanischer Meister seine mehr und mehr zeichenhaften Blätter, die äußerlich den Kalligraphien des Zen ähnlich sind, aber, durch die naturgemäß andere inhaltliche Bedeutung seiner Zeichen eine eigene Sprache entwickeln. Spätestens nach seinem Umzug nach Südschweden werden die horizontal weiträumig ausladenden Landschaften Schonens der Inhalt seiner großformatigen kalligrafischen Blätter. Die radikale Reduktion ist hier nicht etwa Verarmung, sondern die spannende Reise in emotionale Bezirke, die eine meditative Schwingung in Gang setzt.
Spätestens 1981 mit
Strandlinjer hat sich diese Haltung stilbildend artikuliert: „Die Welt sehen in einem Sandkorn.“ Es war nicht nur der Sand der heimatlichen Küste, überwältigt hat ihn die Wüste in Afrika bei einer Reise nach Marokko. Sand beginnt ganz konkret eine Rolle für ihn zu spielen als Material, Bild- und Gestaltungsinhalt. Am Anfang stehen vielleicht die raffinierten gegenständlichen Pastellzeichnungen von Figuren auf amerikanischen und schwedischen Sandpapier, also wahrhaft nicht auf einem üblichen Künstlermaterial. In dieser Hinsicht war er sein Leben lang erfindungsreich und kompromisslos.
Offenbar der allgemeinen Verunsicherung der Künstler folgend beginnt eine immer deutlichere Verknappung optischer Vorlagen, die sich in der Auflösung realistischer Szenen zu tachistischen Formen ausdrückt. Anderseits könnte man auch von Fragmentarisierung sprechen, dem Unvermögen zur Darstellung einer „heilen“ Welt. Aktzeichnungen von 1982 wirken wie bruchstückhafte Notizen, die aber um so mehr von kalligraphischer Schönheit sind. Es verschwinden greifbare Inhalte zugunsten rhythmischen graphischen Abläufen, die den Charakter musikalischer Variationen haben. Eine Affinität zur Musik ist belegt, besonders auch zur Jazzmusik. Wie Notenhandschriften für einen Unkundigen, so gleichen seine zeichenhaften kalligraphischen Reihen Geheimschriften, die vielleicht nur wir nicht entschlüsseln können. Seine Kunst spiegelt auf tragische Weise am Beispiel einer unangepassten subjektiven Entwicklung das Verlorengehen allgemeingültiger künstlerischer Maßstäbe und führt in eine höchst kultivierte Ratlosigkeit, die erste Anzeichen von Zerfall nicht verbergen kann.
Ein eigentliches Spätwerk ist nicht verbürgt. Man kann wohl annehmen, dass in den letzten Jahren seines Lebens eine künstlerische Tätigkeit wenig oder gar nicht mehr stattgefunden hat. Es lässt vermuten, dass eine Auflösung der künstlerischen Mittel gewissermaßen zu einem Punkt geführt hat, der nur noch im Stillstand eine adäquate Form finden konnte.
Die Belege über Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen zeigen, dass Krister Follin in seinen frühen und besten Jahren vollständig integriert war, zumindest in die künstlerische Szene der nordischen Länder, und im ständigen Kontakt stand mit wesentlichen Zeitgenossen und Galerien. Seine Genialität war anerkannt, sein unstetes, provokantes und von psychischer Krankheit gezeichnetes Leben haben aber offenbar verhindert, dass ein gebührender totaler Durchbruch passieren konnte.

Die Sichtung des riesigen hinterlassenen Werkes bedarf einer verantwortungsvollen Aufarbeitung. Es ist sicher, dass sich hier in einem individuellen Künstlerschicksal auf eindringliche Weise die Entwicklung der europäischen Kunst des späten 20. Jahrhunderts in kraftvollen Werken widerspiegelt, die als bedeutende Kunstwerke noch zu entdecken sind. Und es ist dabei nicht unwesentlich, dass dieses Phänomen nicht irgendwo passiert ist, sondern in Schweden.

Helmut Brade
Glemmingebro, 5. August 2012