Kunst, Kultur und genußvolle Atmosphäre auf dem Lande

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5 Jahre

Galerie im Herrenhaus





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Liebe Freunde der Galerie im Herrenhaus zu Dobis,

nach 5 Jahren Galeriearbeit mit vielen wunderbaren Begegnungen, Gesprächen und hinzugewonnenen Freundschaften, ist es für uns an der Zeit, einmal eine Pause einzulegen.
Wir werden das kommende Jahr nun nutzen, selber Ausstellungs- und Cafébesucher zu sein und viele andere Dinge zu tun, für die 5 Jahre keine Zeit blieb. Sehr gern blicken wir auf 5 Jahre erfüllter Gemeinsamkeiten in Sachen Kunst, Kultur und Genuss zurück.
Dafür bedanken wir uns heute herzlich bei allen Besuchern, bei den Künstlern, die hier ausgestellt haben und allen, die zum Gelingen beigetragen haben, wie bei den Musikern, Schriftstellern und insbesondere bei dem Laudator Helmut Brade.

Dobis am 2. September 2018
Edith Scholz und Andreas Richter
















Kurt Bunge

Malerei und Grafik

Heidi Manthey

Keramik

28. Juli bis 2. September



Hiermit laden wir Sie herzlich ein
zur Eröffnung der Ausstellung
am Samstag, dem 28. Juli 2018 um 14 Uhr
in die Galerie im Herrenhaus zu Dobis.

Zur Eröffnung spricht Helmut Brade









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Kurt Bunge hat Halle 1959 verlassen. Er war damals 48 Jahre alt. Zwei Jahre vorher war er Professor an der Burg geworden, hatte ein großzügiges Atelier in der Hochschule und eine Wohnung in Kröllwitz, man kann sagen in der Landschaft seiner Bilder, im früheren Haus seines Lehrers Charles Crodel, dem er immer verbunden war. An der Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein hatte er von 1928-31 studiert, auch Gerhard Marcks gehörte zu seinen Lehrern. Die Ausbildung kümmerte sich ausführlich um die technischen Grundlagen der Malerei, das befähigte ihn nach den Studium zur Arbeit als Restaurator in der Denkmalpflege und später zu anspruchsvollen Restaurierungsarbeiten, wie zum Beispiel an den Fresken Tiepolos im Würzburger Schloss.

Bunge hat Halle verlassen aus Angst. Die hässlichen Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit der Durchsetzung des sogenannten Sozialistischen Realismus hatten auch ihn nicht in Ruhe gelassen. Dabei hatte er mit der »Grauen Malerei« und mit »Toten Fischen« nicht das Geringste zu tun. Er war ein lebensfroher und der sinnlichen Wirklichkeit zugewandter Maler, der, und das war offenbar ärgerlich, große Freude an den französischen Fauves hatte: Matisse, Dufy und auch an Picasso. Das Halstuch der französischen Delegation zum Weltjugendtreffen 1951 in Berlin benutzte Bertolt Brecht vergrößert als Theatervorhang und Plakat für das Berliner Ensemble, Bunge hat es eingerahmt, als Kunstwerk der Koexistenz und Lebensfreude. Brecht musste sich dafür auf peinlichste Weise verteidigen. Es war auch so, dass im Volksbuchhandel Bücher über die französischen Maler in wunderbaren Ausgaben verkauft wurden. In Moskau und Leningrad hingen die schönsten Bilder von Picasso und Matisse, auch dazu gab es prächtige Bildbände. Aber es war eben ein Kulturkampf. Albert Ebert, der wahre Arbeiter, musste sein Parteibuch abgeben, weil er christliche Bilder gemalt hatte, zum Beispiel »Adam und Eva«. Bunges Verschwinden war ein großer Verlust für die Hochschule und die Kunstszene in Halle. Im Burghof wurde sein privater »Nachlass« öffentlich versteigert, seine Hemden Strümpfe und der beige Trenchcoat, den alle kannten, wenn er morgens mit seinem beigen Motorroller durchs Burgtor gefahren kam. Ich kaufte eine seiner Staffeleien und einen allerdings grauen Hocker.

Ich habe 1987 Bunge in Kassel besucht. Es ging ihm sehr gut, und doch war die große Beliebtheit seiner Malerei, der innige Kontakt zu den Studenten aus den verschiedensten Klassen und die Heiterkeit künstlerischer Durchdringung des ganzen Lebens einem nun eher verborgenem Künstlertum gewichen. Allerdings hatte es für ihn ein einprägsames Erlebnis gegeben, wie für alle, denen Reisen erspart geblieben waren: das Licht und die Farbigkeit des Südens, Italien, Frankreich, Jugoslawien, Griechenland, Spanien, Portugal. Das wurde nun Hauptinhalt seiner Malerei in unzähligen Zeichnungen, Aquarellen und Bildern. Für die Bürger im Westen war Tourismus normal, für den Maler aus dem grauen Halle eine Erweckungserlebnis. Diese Epoche seines Werkes ist übrigens noch keineswegs erschlossen.

Zu den beliebtesten Werken seiner Zeit in Halle gehören die Holzschnitte, die er in vielen Varianten und spielerischer Großzügigkeit zumeist in der Burg, auch mit Hilfe begeisterter Studenten, gedruckt hat. Das Werkverzeichnis der Holzschnitte 1948–1958 wurde von Angela Dolgner und Dorit Litt erarbeitet und 1996 herausgegeben. In wenigen Fällen ließen sich limitierte und nummerierte Auflagen ermitteln. Das zeigt, dass Kurt Bunge sein graphisches Werk mit spielerischem Ernst aber ohne jede archivierende Sorgfalt betrieben hat. Er hat nach Bedarf gedruckt, Drucke verkauft und verschenkt. Diese Holzschnitte waren sehr beliebt. Auch unter uns Studenten hat er gegen Zeichnungen, die ihm gefielen, getauscht. Es gab zahlreiche Ausstellungen und Beteiligungen an weltweiten Präsentationen.

Das Atelier in Kassel gibt es noch. Sein Sohn Michael Bunge malt dort seine allegorischen Bilder, die wir ja kürzlich in Halle sehen konnten. Man fühlt sich zu Hause. Neben den neuen Bildern gibt es dort Kunstwerke, die nicht Erinnerungen sind, sondern der lebende Beweis einer halleschen Malkultur, die es gegeben hat und die gültig ist: Bachmann, Crodel, Ebert, Kitzel, Bunge; für den Besucher reinstes Halle, Heimat. Dass diese Heimat in solcher Dichte nun nicht mehr in Halle zu sehen ist, sondern in der Fremde, ist merkwürdig.

Wir danken Gabriele und Michael Bunge für Gastfreundschaft und für das große Vertrauen, uns die Tür geöffnet zu haben zu dem reichen Fundus des Vaters, an den wir nun hier mit Nachdruck erinnern wollen: seltene Kostbarkeiten aus dem Werk eines der großen Malers der Halleschen Schule.

Helmut Brade




Heidi Manthey in Dobis


Heidi Manthey kommt aus Leipzig. Das ist eine vornehme Stadt. Ich habe vor vielen Jahren das großbürgerliche Haus kennengelernt, in dem sie aufgewachsen ist und den Namen des Pelzhändlers Praetorius an einem Geschäftshaus am Brühl gesehen. In Leipzig ist sie zur Schule gegangen, hat die Kunstgewebeschule besucht, dann die berühmte Kunsthochschule. Dort wollte sie der Maler Max Schwimmer zum Weiterstudium überreden . . . aber sie wollte weg! Der Wechsel nach Halle war ihr ausdrücklicher Wunsch: die Loslösung vom Elternhaus und das Studium an einer Schule, die ihren Interessen entsprach. Künstler wollte sie nie werden, und Abschlüsse haben sie nicht interessiert. Es gab in der Keramik eine tolle Atmosphäre durch die unterschiedlichen Studenten, und es gab einen genialen Lehrer: Charles Crodel. Sie hatte eine kleine Wohnung in dem Haus in der Talstraße, in dem Kitzels wohnten, später im selben Haus oben. Ebert war ganz in der Nähe. Sie heiratete einen Maler, der sehr originell war, und schnell nach Westberlin verschwand. Zurück blieb die kleine Familie, Mareile, die 1952 zur Welt gekommen war und Jakob 1954. Heidis zeichnerisches Talent war unbestritten, aber das garantierte keinesfalls ein sorglosen Leben. Schöne und schwere Jahre folgten auf das schöne und leichte Studium. Selbst die allerschönsten Keramiken müssen gemacht werden. Man braucht eine Werkstatt, Ton, Öfen, Strom, Wasser, Zeit. Die wunderbare Lösung kam durch Hedwig Bollhagen, die hatte Ton, Wasser, Feuer und Gefäße, die man bemalen konnte. Und es gab viele nette Leute, denen die allerliebst bemalten Gefäße gefielen. Sie hat so manches Neue entdeckt, auch mit Porzellan gearbeitet, und ein riesiges Werk geschaffen, das in Sammlungen und in hunderten Wohnungen verstreut ist, und heimlich Freude schenkt. Später wohnte sie in Hohen Neuendort, in der Nähe der HB-Werkstätten, nach Hedwig Bollhagens Tod 2001 in deren Wohnung neben der Manufaktur. Jetzt hat sie keinen Zugang mehr zu den Werkstätten, das will der neue Besitzer nicht. Ihr Atelier ist im Haus.
Sie gehört zur Burg. Kurt Bunge hat Mädchen gemalt, die auf ihren keramischen Vogel-Pfeifen Melodien blasen. Ihre Werke sind rar, eine kleine Kollektion sehen wir heute.

Helmut Brade, 28. Juli 2018

























Das Beste
Thomas

kommt noch
Müller


Malerei und Grafik

16. Juni bis 22. Juli



Hiermit laden wir Sie herzlich ein
zur Eröffnung der Ausstellung
am Samstag, dem 16. Juni 2018 um 14 Uhr
in die Galerie im Herrenhaus zu Dobis.

Zur Eröffnung spricht
Helmut Brade mit Thomas M. Müller










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Dobis, 16. Juni 2018
Thomas Matthaeus Müller


Am 15. Juli vergangenen Jahres wurde hier eine Ausstellung mit Bildern, Zeichnungen und Büchern von Volker Pfüller eröffnet. In der einführenden Rede gab es die folgende Passage:

So zeichnen wie Herr Volker Pfüller
kann höchstens noch Matthäus Müller
und werden unsre Träume wahr,
so stellt er aus im nächsten Jahr.


Herr Müller war zu besagter Eröffnung nicht anwesend. Ich schickte ihm das kleine Heftchen, in dem auch der Text abgedruckt war. Er reagierte sofort:

Nun find ich heut, zurückgekehrt,
den Brief von Dir im Schweiz-Kuvert
und les die Rede mit Vergnügen
bis Seite 10! Schreck! Will nicht lügen:
noch nie kam ich in Dichtung vor,
kein Dichter je ein Wort verlor
zu preisen mich. Zu recht, ich fand.
Doch ist die Wendung intressant,
mehr Werbung als mir angemessen
hat dieser Blitz sofort gesessen.
. . .
Oh Unglück, wenn zu der Passsage
erschreckt ich knallrot – Oh Blamage!
vor allen Leuten wie volltrunken
der Länge lang wär hingesunken.
. . .
Rote Ohren – zuviel der Ehre,
zuviel gesagt, dass ich mich wehre,
bewundernd danke ich mit Freude.
Auf bald ich freue mich schon heute.



Eh ich Herrn Thomas Müller persönlich kennenlernte, waren mir seine Plakate und Illustrationen auf internationalen Ausstellungen oder im Zusammenhang mit Veranstaltungen in Leipzig, Gera und Naumburg aufgefallen. Neben der virtuosen Beherrschung zeichnerischer Mittel waren es immer wieder deutliche inhaltliche Aussagen, die mein Interesse weckten. Er benutzt die Illustration, um etwas ins Licht zu setzen, um Zusammenhänge klar zu machen und erreicht das mit Leichtigkeit und mit echtem Humor. Seine Arbeiten vermitteln eine freundliche und positive Lebenshaltung, die in der stets souverän vorgetragenen künstlerischen Form eine originäre und heute selten gewordene persönliche Kraft zeigt. Traditionsverhaftet und offen für alles sinnvolle Neue, auch im Hinblick auf die Erweiterung zeichnerischer Fähigkeiten durch digitale Medien, gehört Thomas Müller zu der nicht sehr großen Gruppe lebender Künstler, die deutsches Grafikdesign der Gegenwart repräsentieren.


Fragen


Dass Du aus Gera bist, scheint zu stimmen. Die Angaben im Netz geben zwei unterschiedliche Geburtstage an: den 26. September oder den 15. Oktober. Ist vielleicht beides falsch?

Stimmt es, dass Du die Kindheit unter dem Arbeitstisch Deines Vaters zugebracht hast? Was hast Du da gemalt?

Du warst auch schon einmal Gastprofessor für Illustration in Halle, nun bist Du richtiger Professor an der Hochschule für Graphik und Buchkunst in Leipzig, wie bekannt in der Nachfolge von Volker Pfüller. Stimmt es, dass eine Deiner Schülerinnen ein Haifisch ist?

Du hast in Warschau, Moskau, Mexiko City, Brno, Bologna, Toyama, Venedig, Paris, Chaumont, Sofia, Mons, New York, Padua und Tokyo ausgestellt; warum niemals in Leipzig oder Halle?

Wir wissen: Deine Kinderbücher sind berühmt. Dichtest Du etwa auch die Texte? Denkst Du Dir die Geschichten aus?

Gibt es eine Stadt, die Du besonders liebst? Willst Du Leipzig verlassen?

Der Mutz ist ein Tier, von dem die meisten Menschen nur den Namen kennen. Du sollst einer der Wenigen sein, die ihn schon gesehen haben und vor allem, die im verschwiegenen Kreis den hervorragenden Braten gegessen haben. Wie sieht er aus? Wie schmeckt er?

Sicherlich überfährt die Frau, die auf einem Deiner Bilder ihr Kind in einem panzerartigen Auto zur Schule fährt, das kleine Schulkind, dass vor den monumentalen Rädern tapfer zu Fuß geht. Ist das etwa Gesellschaftskritik?

Hast Du eine Vision für Deine künstlerische Zukunft? Und für die Zukunft überhaupt?

Helmut Brade























Am 5. Mai 2018

ist

SAISONSTART







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Hiermit laden wir Sie herzlich ein
zur Eröffnung der Ausstellung
am Samstag, dem 5. Mai 2018 um 14 Uhr in die
Galerie im Herrenhaus zu Dobis.

Zur Eröffnung spricht Helmut Brade



DREI

Petra Kaltwaßer
Bettina Pfüller
Edith Scholz

Ausstellung in der Galerie im Herrenhaus in Dobis 2018


Diese Ausstellung ist etwas ganz besonderes.
Zwei Ärztinnen, eine Juristin.
Eine Kunstausstellung: drei Frauen, keine von ihnen hat studiert, jedenfalls nicht Kunst, sie haben sinnvolle Berufe mit erheblicher Verantwortung . . . retten Leben . . . und sie malen . . . und uns gefällt das auch noch . . . etwa, weil sie nicht studiert haben?
Nicht selten zerstören Kunsthochschulen die kreative Kraft. Man hat da sehr viel gelernt und gleichzeitig etwas Wichtiges verloren: den einfachen, eben unverstellten Blick für die Welt, in der wir leben. Wir Künstler sind eigentlich Schmarotzer der Gesellschaft. Wir stehen spät auf und trinken zu viel. Hier nun haben wir es mit drei Persönlichkeiten zu tun, die abends fast nichts trinken, weil sie morgens sehr früh aufstehen müssen und die schwere, für die Gesellschaft lebensnotwendige Berufe ausüben und dann noch in den seltenen Sekunden der Freizeit Kunst hervorbringen, die nicht destruktiv ist, sondern Freude bereitet.
Es ist nicht wie früher, wo sich die Damen der besseren Gesellschaft, wohlmöglich auch Arztgattinnen, die nicht einmal arbeiten durften, sich mit Klavierspielen, Sticken, Dichten und eben auch Malen die Zeit vertrieben haben.

Petra Kaltwaßer malt also. Wann eigentlich? Sonntags, nachts, im Urlaub? Sie malt Stilleben mit sehr alltäglichen Motiven: Knoblauch, Granatäpfel, Quitten, Vogeleier; auch Portraits der Vögel, die an ihr Fenster klopfen. Sie malt den Tee, den sie trinkt, ein Bild von Otto Möhwald bildet den Hintergrund. Teezeremonie hallisch. Es gibt auch Urlaubsbilder. Endlich hat die Farbe Blau eine Berechtigung. Das ist verstehbar, sehr schön, freundlich. Man begreift: Das Leben wird nicht verachtet. Die meisten der ausgestellten Bilder sind neueren Datums.
Aber das ist ja nicht alles. Es gibt ja noch die Kollagen, die fast schon ein geheimes Studium vermuten lassen, in Wirklichkeit aber nichts anderes sind, als der verzweifelte Versuch, ungeheuere Mengen gesammelter nutzloser Dinge neuerlich zum Vorschein zu bringen. Nichts ist vor ihr sicher. Mit zwei prall mit Scherben und Knochen gefüllten Plasteimern verläßt sie am Abend den sonnenölduftenden Strand südlicher Meere, den sie Zentimeter für Zentimeter durchgekämmt hat. Die bedenkliche Sammelleidenschaft schreckt vor nichts zurück. Nicht etwa Meißener Porzellan! Wie schön sind doch die von der Bewegung des Meeres geschliffenen Scherben alter Flaschen und Gläser, aber auch plattgedrückte Bierbüchsen, alte Scharniere, verrostete Schlüssel, vergammelte Münzen, ganze Flaschenböden, Kachelreste, Porzellantrümmer, „Antiquitäten“. Was andere wegwerfen, sammelt sie auf und verwandelt es zu strahlenden Bildern von unerhörter Schönheit. Perlen und die schmalen Taschenmessermuscheln sind erlaubt. Ihr „naives“ Feingefühl sortiert, wählt aus und „gestaltet“, aber wie ein Kind, spielend und mit staunender Freude. Unerwartet entstehen philosophische Werke, die aus Dreck Kunst machen und auf charmante Weise auf Unarten unserer Wirklichkeit hinweisen, bestimmt ganz unbewusst und höchst sinnvoll.

Bettina Pfüller malt was sie sieht und was ihr gefällt. Sie guckt aus dem Fenster und sieht ein schönes Haus oder einen schwarzen Hund. Ihre Bilder entstehen in der Freizeit des Urlaubs. Sie, die Berlinerin, malt nicht Berlin. Es gibt eine Ausnahme, aber das ist nicht die Stadt, sondern die Arbeit. Es ist wie eine Flucht aus der Großstadt, in der das Leben in Hast zerfließt. Sie malt die Sehnsuchtsorte der freien, leeren, herrlichen Natur, in der der Mensch auch da ist, aber nicht massenhaft und eben ohne Hast. Die nackte Malerin am See unter Bäumen gibt dieser Sehnsucht Bild, da taucht plötzlich auch eine Palme auf, die aus der Staffelei wächst, mitten im Oderbruch. Sie malt mit Liebe und ohne irgendeinen Druck. Was sind die Sensationen des heiteren Herzens: eine blühende Weide, Bäume, Zäune, Wiesen, der Himmel und die Wolken und immer mal ein Haus, Behältnis für den Menschen, der drinnen Suppe kocht oder auf dem Sofa liegt, während es draußen regnet, und vielleicht ein Buch liest oder eine Katze malt.

Von Edith Scholz ist heute nicht sehr viel Neues zu sehen. Die Kacheln an der Kaffee-Theke sind schon ein Weilchen da. Immer wieder überrascht sie durch eine besondere zeichnerische Begabung. Wenn sie auf einem abgerissenen Zettel einen Hundekopf zeichnet, ist der ganze Hund da, sein Wesen, seine Individualität. Da ist Liebe im Spiel, zur Kreatur und zu der Welt, wie sie nun mal ist. Es ist eine bejahende Diesseitigkeit, die von nur wenigen Strichen ausgeht. Edith wollte Kunst studieren, Malerei, da hat der Vater gesagt, sie solle etwas „Vernünftiges“ studieren. Dabei war er selbst fast ein Künstler, der ein Holzauto gebaut hat, das wirklich gefahren ist. Der Zeichenzirkel in Halle brachte ihr eine strenge Belehrung: man darf nicht gleich mit Ölfarben anfangen, wenn man malen will. Sie ist beleidigt bis heute.
Ich stelle mir die Jurisprudenz sehr dickichthaft vor, exakt und auslegbar zugleich, gefährlich zweischneidig. Alles was sie dagegen zeichnet, ist einfach, klar und lebendig, wohlmöglich eine Flucht aus der Hölle der Paragraphen.
Sie hat einen Künstler geheiratet, der hat sie ermutigt, nun endlich in der nahegelegen Dobiser Manufaktur Keramik zu studieren. Die kleinen flachen keramischen Figuren sind einfach köstlich, als hätte sie ein Kind gemacht und doch sind sie keinesfalls zufällig oder „irgendwie“, es sind originelle Verdichtungen, die aber völlig „naiv“ bleiben.

Nun wollen wir uns an den Kunstwerken freuen. In den großen Galerien der Weltstädte wird man Ähnliches vermissen, denn die wahre Kunst geht andere und viel spektakulärere Wege, die man manchmal, eigentlich oft, nicht versteht. Auch die Erklärungen bleiben kryptisch. Dann hält man sich für dumm und zurückgeblieben und nickt höflich. Wir machen heute eine Ausnahme.


Helmut Brade, 5. Mai 2018