Kunst, Kultur und genußvolle Atmosphäre auf dem Lande

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Das Beste
Thomas

kommt noch
Müller


Malerei und Grafik

16. Juni bis 22. Juli



Hiermit laden wir Sie herzlich ein
zur Eröffnung der Ausstellung
am Samstag, dem 16. Juni 2018 um 14 Uhr
in die Galerie im Herrenhaus zu Dobis.

Zur Eröffnung spricht
Helmut Brade mit Thomas M. Müller










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Am 5. Mai 2018

ist

SAISONSTART







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Hiermit laden wir Sie herzlich ein
zur Eröffnung der Ausstellung
am Samstag, dem 5. Mai 2018 um 14 Uhr in die
Galerie im Herrenhaus zu Dobis.

Zur Eröffnung spricht Helmut Brade



DREI

Petra Kaltwaßer
Bettina Pfüller
Edith Scholz

Ausstellung in der Galerie im Herrenhaus in Dobis 2018


Diese Ausstellung ist etwas ganz besonderes.
Zwei Ärztinnen, eine Juristin.
Eine Kunstausstellung: drei Frauen, keine von ihnen hat studiert, jedenfalls nicht Kunst, sie haben sinnvolle Berufe mit erheblicher Verantwortung . . . retten Leben . . . und sie malen . . . und uns gefällt das auch noch . . . etwa, weil sie nicht studiert haben?
Nicht selten zerstören Kunsthochschulen die kreative Kraft. Man hat da sehr viel gelernt und gleichzeitig etwas Wichtiges verloren: den einfachen, eben unverstellten Blick für die Welt, in der wir leben. Wir Künstler sind eigentlich Schmarotzer der Gesellschaft. Wir stehen spät auf und trinken zu viel. Hier nun haben wir es mit drei Persönlichkeiten zu tun, die abends fast nichts trinken, weil sie morgens sehr früh aufstehen müssen und die schwere, für die Gesellschaft lebensnotwendige Berufe ausüben und dann noch in den seltenen Sekunden der Freizeit Kunst hervorbringen, die nicht destruktiv ist, sondern Freude bereitet.
Es ist nicht wie früher, wo sich die Damen der besseren Gesellschaft, wohlmöglich auch Arztgattinnen, die nicht einmal arbeiten durften, sich mit Klavierspielen, Sticken, Dichten und eben auch Malen die Zeit vertrieben haben.

Petra Kaltwaßer malt also. Wann eigentlich? Sonntags, nachts, im Urlaub? Sie malt Stilleben mit sehr alltäglichen Motiven: Knoblauch, Granatäpfel, Quitten, Vogeleier; auch Portraits der Vögel, die an ihr Fenster klopfen. Sie malt den Tee, den sie trinkt, ein Bild von Otto Möhwald bildet den Hintergrund. Teezeremonie hallisch. Es gibt auch Urlaubsbilder. Endlich hat die Farbe Blau eine Berechtigung. Das ist verstehbar, sehr schön, freundlich. Man begreift: Das Leben wird nicht verachtet. Die meisten der ausgestellten Bilder sind neueren Datums.
Aber das ist ja nicht alles. Es gibt ja noch die Kollagen, die fast schon ein geheimes Studium vermuten lassen, in Wirklichkeit aber nichts anderes sind, als der verzweifelte Versuch, ungeheuere Mengen gesammelter nutzloser Dinge neuerlich zum Vorschein zu bringen. Nichts ist vor ihr sicher. Mit zwei prall mit Scherben und Knochen gefüllten Plasteimern verläßt sie am Abend den sonnenölduftenden Strand südlicher Meere, den sie Zentimeter für Zentimeter durchgekämmt hat. Die bedenkliche Sammelleidenschaft schreckt vor nichts zurück. Nicht etwa Meißener Porzellan! Wie schön sind doch die von der Bewegung des Meeres geschliffenen Scherben alter Flaschen und Gläser, aber auch plattgedrückte Bierbüchsen, alte Scharniere, verrostete Schlüssel, vergammelte Münzen, ganze Flaschenböden, Kachelreste, Porzellantrümmer, „Antiquitäten“. Was andere wegwerfen, sammelt sie auf und verwandelt es zu strahlenden Bildern von unerhörter Schönheit. Perlen und die schmalen Taschenmessermuscheln sind erlaubt. Ihr „naives“ Feingefühl sortiert, wählt aus und „gestaltet“, aber wie ein Kind, spielend und mit staunender Freude. Unerwartet entstehen philosophische Werke, die aus Dreck Kunst machen und auf charmante Weise auf Unarten unserer Wirklichkeit hinweisen, bestimmt ganz unbewusst und höchst sinnvoll.

Bettina Pfüller malt was sie sieht und was ihr gefällt. Sie guckt aus dem Fenster und sieht ein schönes Haus oder einen schwarzen Hund. Ihre Bilder entstehen in der Freizeit des Urlaubs. Sie, die Berlinerin, malt nicht Berlin. Es gibt eine Ausnahme, aber das ist nicht die Stadt, sondern die Arbeit. Es ist wie eine Flucht aus der Großstadt, in der das Leben in Hast zerfließt. Sie malt die Sehnsuchtsorte der freien, leeren, herrlichen Natur, in der der Mensch auch da ist, aber nicht massenhaft und eben ohne Hast. Die nackte Malerin am See unter Bäumen gibt dieser Sehnsucht Bild, da taucht plötzlich auch eine Palme auf, die aus der Staffelei wächst, mitten im Oderbruch. Sie malt mit Liebe und ohne irgendeinen Druck. Was sind die Sensationen des heiteren Herzens: eine blühende Weide, Bäume, Zäune, Wiesen, der Himmel und die Wolken und immer mal ein Haus, Behältnis für den Menschen, der drinnen Suppe kocht oder auf dem Sofa liegt, während es draußen regnet, und vielleicht ein Buch liest oder eine Katze malt.

Von Edith Scholz ist heute nicht sehr viel Neues zu sehen. Die Kacheln an der Kaffee-Theke sind schon ein Weilchen da. Immer wieder überrascht sie durch eine besondere zeichnerische Begabung. Wenn sie auf einem abgerissenen Zettel einen Hundekopf zeichnet, ist der ganze Hund da, sein Wesen, seine Individualität. Da ist Liebe im Spiel, zur Kreatur und zu der Welt, wie sie nun mal ist. Es ist eine bejahende Diesseitigkeit, die von nur wenigen Strichen ausgeht. Edith wollte Kunst studieren, Malerei, da hat der Vater gesagt, sie solle etwas „Vernünftiges“ studieren. Dabei war er selbst fast ein Künstler, der ein Holzauto gebaut hat, das wirklich gefahren ist. Der Zeichenzirkel in Halle brachte ihr eine strenge Belehrung: man darf nicht gleich mit Ölfarben anfangen, wenn man malen will. Sie ist beleidigt bis heute.
Ich stelle mir die Jurisprudenz sehr dickichthaft vor, exakt und auslegbar zugleich, gefährlich zweischneidig. Alles was sie dagegen zeichnet, ist einfach, klar und lebendig, wohlmöglich eine Flucht aus der Hölle der Paragraphen.
Sie hat einen Künstler geheiratet, der hat sie ermutigt, nun endlich in der nahegelegen Dobiser Manufaktur Keramik zu studieren. Die kleinen flachen keramischen Figuren sind einfach köstlich, als hätte sie ein Kind gemacht und doch sind sie keinesfalls zufällig oder „irgendwie“, es sind originelle Verdichtungen, die aber völlig „naiv“ bleiben.

Nun wollen wir uns an den Kunstwerken freuen. In den großen Galerien der Weltstädte wird man Ähnliches vermissen, denn die wahre Kunst geht andere und viel spektakulärere Wege, die man manchmal, eigentlich oft, nicht versteht. Auch die Erklärungen bleiben kryptisch. Dann hält man sich für dumm und zurückgeblieben und nickt höflich. Wir machen heute eine Ausnahme.


Helmut Brade, 5. Mai 2018