Kunst, Kultur und genußvolle Atmosphäre auf dem Lande

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Hendrik Tauché
Malerei Grafik Keramik

Ausstellung vom 4. Juni bis 3. Juli 2016


Hiermit laden wir Sie herzlich ein
zur Eröffnung der Ausstellung
am 4. Juni 2016 um 14 Uhr in die
Galerie im Herrenhaus zu Dobis.






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Hendrik Tauché wurde 1962 in Weißenfels geboren. Nach dem Abitur
studierte er bei Dieter Weidenbach Malerei und Graphik und arbeitete
anschließend bei dem Keramiker Christoph Schulz, einem Schüler von Gertraud
Möhwald, bei dem Gebrauchsgraphiker Helmut Brade und in der
Töpferei von Peter Dolacinski. Seit 1989 lebte er als freiberuflicher Maler
und Graphiker in Halle und in Weißenfels und ist heute in Kreischau und
Teschvitz/Rügen tätig. Einzel- und Gruppenausstellungen hatte Tauché vor
allem in den neuen Bundesländern.

Hendrik Tauché in Dobis

Ich kenne Hendrik Tauché schon sehr lange.

Was mich immer wieder beeindruckt hat, ist seine Besessenheit, mit zeichnerischen Mitteln Geschichten zu erzählen und zu interpretieren. Der Stoff scheint ihm nicht auszugehen, denn seine Interessen sind dermaßen weitläufig und weiträumig, dass man damit rechnen muss, dass er nie fertig werden kann. Schließlich ist es nicht nur die Realität autobiographischer Empfindungen und Erlebnisse, die ihn bewegt, sondern es sind viel mehr die Weiten des Überirdischen und der Irrationalität, die grenzenlose Spielräume eröffnen. Spielräume ist ein wirklich passendes Wort; denn zu spielen scheint er wirklich immer noch, so dass seine Bildfindungen oft kindlich sind und keinesfalls getragen von hochgestochener intellektueller Spekulation.
Er kennt sich aus. Märchen und Mythen umschwirren ihn. Hendrik Tauché besitzt die Gabe, diese »alten Geschichten« ernst zu nehmen und aus seiner, zuweilen persönlichen, Erfahrung nachzuerzählen. Dabei orientiert er sich äußerlich an vorgefundener Bildsprache, aber wenn man die Gesichter seiner Götter und Helden genauer ansieht, sind es heutige Menschen, denen man im täglichen Leben begegnen könnte. Im Bereich oft schwarzweißer bildhafter Neubelebungen – von Illustrationen möchte ich nicht sprechen – gelingen ihm kraftvolle und formal spannungsvolle Kompositionen.
Die Märchenwelt der vorelektrifizieten Epoche, in der es noch Dunkelheit gab, muss für ihn gegenwärtig sein. Er bringt sie uns in Erinnerung, transponiert sie aber in eine hell gewordene Welt, die nun nicht mehr fürchtet, was sie nicht mehr kennt. Ihn interessieren die komischsten Dinge, die oft auch mit literarischen Vorlagen korrespondieren. In der Siebdruckmappe mit dem Titel »Schöne Sachen« findet man neben schönen Frauen und Träumen auch tragische Momente; denn der Tod ist doch keine »schöne Sache«, und Merkwürdiges, wie jenen Mann, »der mit eigenen Augen gesehen hat, wie Gott ein gekochtes Ei schälte«. Diebstahl in menschenleerer Einöde, auch wieder ein unlösbares Rätsel, das vielleicht tiefere Bedeutung hat.
Die Rolle des Menschen im Universum ist ein Weg. Zuerst war er fast noch ein Tier, im dichten Wald entstanden, ehe er langsam zu planvollem Handeln fand, zu praktischer Intellegenz, später denkend, erfindend, spezialisiert, äußerst fähig. Er findet Kohle, Öl und Gas, die Hinterlassenschaft millionenalter Organismen aus versunkenen Wäldern, vor Urzeiten, als an ihn noch nicht zu denken war. Mit diesen gespeicherten Resten fliegt er nun, der stolze Mensch, von Kontinent zu Kontinent und bewegt sich ohne sich selber bewegen zu müssen von hier nach da. Das alles ist Hendrik Tauché bewusst und emotionaler Hintergrund, wenn er, auf einfache und unverbildete Weise zu der von ihm vorgefundenen Welt Stellung nimmt. Seine Schäfer kennen noch die Schafe, hüten sie, behüten sie und gehen mit ihnen einen Lebens- und Todespakt ein. So ist sein künstlerisches Schaffen auch ein philosophisches, das unseren Ursprung und die heutige Situation mit Bildern bestimmt, die nicht unbedingt »Kunst« sein wollen, es aber doch sind, da er mit zeichnerischer Begabung seine Vision vortragen kann. Er zeichnet, wie mir scheint, zwanghaft, wie ein Welt­entdecker oder eben ein Kind, das staunend Türen öffnet. Es gab vieles vor uns, das noch in uns ist, was aber im allgemeinen Trubel verschwindet und doch bleibt, und wessen sich manche Künstler und Philosophen mit schmerzlicher Liebe erinnern. Schmerz­lich deshalb, weil sie den Weg erkennen, die Verluste begreifen und eine leise Ahnung von einer vielleicht tragischen Zukunft spüren.

Es ist schade, dass Tauchés zeichnerisches Talent nie von einem geldgierigen Verleger entdeckt worden ist. So blieb es häuslich, auseinandersetzungslos, verspielt in mitunter verantwortungsloser Individualität, egomanisch und rätselhaft. Es scheint fast ungehörig, einen solchen Künstler in die Öffentlichkeit zu zerren, die aber, wie schon kürzlich in dem einen Dorf, nun in einem anderen Dorf begrenzt bleibt. Aber vielleicht sind wir hier doch ganz richtig.
Es gehört zu den Eigentümlichkeiten unserer jetzigen Zeit, dass es eine gewisse Zuwendung zu natürlichen Dingen gibt. Alles ist industriell geworden. Nun entdeckt man plötzlich Ursprüngliches wieder und erfreut sich an richtigen Eiern und dreckigen Möhren. Auch in den Künsten gibt es Entfremdungen und Irrwege, die im Nonsens enden. Die Liebe zu dekorativer Oberflächlichkeit kennt keine Grenzen, die Digitalisierung der Welt fördert ihr sinnliches Verschwinden. Davon ist Hendrik Tauché weit entfernt. Darüber kann man sich wirklich von Herzen freuen. Seine Arbeiten sind voller Liebe zu unserer schönen Welt. Das ist ein guter Weg, für ihn natürlich und für uns, wenn wir uns die Mühe machen, seiner Vision zu trauen. Mag unsere Bedeutung im Universum auch kläglich sein, es ist doch jedes Menschen einziges Schicksal. Dem Seele zu geben, und das vermag seine Kunst, ist eine einfache Möglichkeit, als Individuum dieser Kläglichkeit zu entgehen.


Helmut Brade
4. Juni 2016

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Ausstellung vom 1. bis 29. Mai 2016





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