Kunst, Kultur und genußvolle Atmosphäre auf dem Lande

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M A R T I N

M Ö H W A L D


u n d

H E L M U T

B R A D E


i n
D o b i s




Ausstellung vom 20. August bis 25. September 2016


Hiermit laden wir Sie herzlich ein
zur Eröffnung der Ausstellung
am 20. August 2016 um 14 Uhr in die
Galerie im Herrenhaus zu Dobis.






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Linien

Martin Möhwald und Helmut Brade in Dobis

Als ich Kind war, gehörte das Wort Keramik zu den geheimnisvollsten Begriffen meiner Phantasie, wie vielleicht auch Paradies und Champagner. Als ich dann später nach einem gescheiterten Versuch, Dramaturgie zu studieren, an der Burg Giebichenstein die Aufnahmeprüfung durchlitt, kam ich dem Wort, das einst so einen besonderen Zauber ausgeübt hatte, auf unerwartete Weise wieder näher. Ich war damals ein Schnellzeichner, der nur ganz weiche Bleistifte benutzte, 6B. Da nun die zeichnerischen Aufgaben über Stunden gingen, wurden meine Blätter immer schwärzer, während um mich herum helle, und aus meiner Sicht virtuose Blätter entstanden. »Schon sehr schwarz,« bemerkte ein begleitender Professor lakonisch. Später wusste ich, dass es Gustav Weidanz gewesen war. Meine Zeichnungen wurden nicht gerade mit Bewunderung aufgenommen, aber es gab für mich eine ganz absurde Chance: Kein männlicher Bewerber hatte sich für Keramik interessiert. Das war mein Glück. Als dann Fräulein Grafenstein, die zuständige Professorin, dem wissbegierigen Anfänger mit leiser Stimme, ein unscheinbares, dunkelgraues kugeliges Gefäß in der Hand, den Mythos des gebrannten Tons erklärte, war es auf einmal lebendiges Material geworden, das »Traumwort« Keramik.
Das war 1955. Einen halben Tag in der Woche saß ich nun an der Drehscheibe, vor mir Traudel Thriemer und neben mir Beate Zeiss, meine »Seminargruppe«. Sie bewarfen mich mit Tonklümpchen und lachten über alles, was ich machte und besonders darüber, wenn meine, in der vergangenen Woche gedrehten Töpfe schon zu trocken geworden waren, um sie weiter zu bearbeiten. Es war eine schöne Zeit, aber für mich doch ziemlich aussichtslos. Freilich wusste ich nun, was Töpferei eigentlich ist. Mein Lebensweg verlief anders, und doch war ich auf irgendeine Weise Keramiker geworden.
Es waren neue Maßstäbe, denen ich automatisch ausgesetzt war. Eines Tages standen in den dicken Fensternischen der Burg die ersten Figuren und Gefäße von Getraud Möhwald. Es war wie ein Schock. Die kleine »Europa mit dem Stier«, ein figürlicher Leuchter, blauweiß. Schon da gab es jene besondere kraftvolle Ausstrahlung, die das großartige spätere Werk auszeichnen sollte.
Dann lernte ich Heidi Manthey kennen, dazu auch gleich noch Hedwig Bollhagen und Charles Crodel, und die Manufaktur in Marwitz. Tiefgreifende Erlebnisse! Ich durfte vorgefertigte Gegenstände bemalen, mit weichem Pinsel auf mehliger Oberfläche: Fayence. Das gefiel mir. In der urtümlichen Manufaktur fand ich vieles schön, die Regale mit den Reihungen ungebrannter Gefäße, das ununterbrochene Poltern der Glasurmühlen, den Geruch nach Ton, die Wärme der Öfen, das sorgfältige Verpacken der zerbrechlichen Produkte in Holzkisten, und die Menschen, die, jeder auf seine Weise, Zauberer waren. Heidis Zeichenkunst, Crodels wunderbare Gefäße und seine gemalte Petersilie auf dem Küchentisch, »Fräulein« Bollhagens blauweißen Geschirre, alles beeindruckte mich. Ehe ich allerdings selber etwas bezeichnen konnte, malte ich mit dem halleschen Maler Georg Pütter zusammen Wände und Türen der Bollhagenschen Wohnung. Aber ich machte bald komische Kannen, (eine davon ist ja hier zu sehen,) eine Uhr, Kachelbilder. Ich war ja Gebrauchsgrafiker geworden, arbeitete in diesem Beruf zuerst für Kollegen, machte recht bedeutungslose Ausführungsarbeiten und erholte mich nun mit »Kunst« und Keramik.
Und wie ging es weiter? Mein Bruder, der Medizin studiert hatte, verliebte sich in eine westdeutsche Keramikerin, interessierte sich nun auch für Töpfe und Tassen und heiratete eine ostdeutsche, die an der Burg studiert hatte. Das hatte Folgen. In Ammendorf wurde eine keramische Werkstatt aufgebaut, im Waschhaus, da, wo, als ich Kind war, das Rübenmus gekocht wurde. Mein Bruder war sehr phantasievoll, er machte die merkwürdigsten Sachen, Ute Brade sehr schöne. Und auch ich bemalte immer wieder irgendein Stück. Das war 1970.
1977 bewarben sich 2 Handwerker um die Mitgliedschaft im Verband Bildender Künstler. Das war ein nicht unwesentliches Anliegen, es ermöglichte die freiberufliche Tätigkeit. Man war prinzipiell dagegen. Da könnten ja nun alle Handwerksmeister kommen und plötzlich Künstler werden wollen. Ich sah das anders, ich fand beider Arbeiten herausragend. Auf eine Weise war es sogar ein Gewinn, dass ihnen die fremdgesteuerte Festlegung durch ein Studium erspart geblieben war. Der eine war ein Keramiker, (von Keramik hatte ich ja nun etwas Ahnung): Martin Möhwald; der andere ein Buchbinder: Andreas Richter. Ich übernahm für beide die notwendige Bürgschaft. Professionalität fehlt ja so manchem Künstler, da kam also eine bewundernwerte andere Kraft hinzu, zu ihren durchaus künstlerischen Voraussetzungen, die durch Familie und Tradition ohnehin da waren.
Es gab auch noch Bärbel Gritzmann. Sie hatte an der Burg ein begonnenes Studium abgebrochen. Unsere Wege kreuzten sich wieder in Berlin. Sie machte sehr empfindsame Gegenstände, war äußerst anspruchsvoll mit sich selbst, brauchte viel Zeit. Ich bemalte dies und das und auch die Butterdose, die hier zu sehen ist.
Die Werkstatt von Martin Möhwald war in Kröllwitz, ganz in meiner Nähe. Hauptsächlich war es das Atelier seiner Mutter Gertraud. Hier entstanden ihre plastischen Figuren und vieles andere, ehe sie mit ihrer Arbeit nach Ammendorf zog, zufällig in die großen Räume einer Schrot- und Getreidemühle, deren früherer Besitzer von meinem Großvater Geld geborgt hatte. Deshalb durfte ich in den bitteren Notzeiten immer mal eine Tüte Schrot holen, woraus meine Mutter abenteuerliche Brötchen buk.
Martin blieb in Kröllwitz. Wir hatten einen dauernden Kontakt. Ich besuchte ihn gern. Da gab es den guten Tee aus den schönen Schalen und immer Gesprächsstoff: Kunst, Musik, Literatur und die Filmkunst, es wurde ein Filmklub gegründet. Er hatte schon jene eigenwillige Technik entwickelt, mit vorgefertigtem gedruckten Material seine Gefäße zu dekorieren. Nun zerriss er eines Tages auch meine Plakate und verzierte seine Teller, Schalen, Kannen und Vasen mit den Fetzen. Die Ergebnisse gefielen mir von Anfang an. Mich beeindruckte das Fragmentarische als künstlerische Aussage, die Erinnerung an antike Keramik, die Schönheit des Unvollkomenen, Archäologie der Gegenwart. Da ich manchmal auch Schriften benutzte, die den römischen Buchstaben der Trajansäule nahe waren, entstanden in ungewollter Verfremdung nahezu klassische Gefäße. Er kostet bis heute diese Möglichkeiten bis ins Letzte aus. Er macht vor nichts Halt, er benutzt chinesische Zeitungen, Tabellen, Hermann Franckes Handschriften, antike Illustrationen, Ornamentvorlagen, einmal sogar eine Radierung von Claudia Berg.
Seine Werkstatt, in die er täglich zur Arbeit ging, wurde von Jahr zu Jahr pittoresker. Seine beschriebene Übertragungstechnik von gedrucktem Material förderte die Ansammlung riesiger Papierstöße, die mit Tonstaub bedeckt, mehr und mehr selber zu Plastiken wurden. Von den Wänden her wuchs die Werkstatt förmlich zu, sie wurde kleiner und kleiner. Das war allerdings nicht der Grund für den Wechsel nach Giebichstein, denn die neue Werkstatt ist nicht gerade größer. Immerhin war sie zuerst einmal leer. Dort ist nun die Drehscheibe, dort sind die Öfen und das Lager mit den fertigen Sachen, eindrucksvoll, bewundernswert. An der Wand sieht man ein großes Bild des halleschen Malers Hermann Bachmann, eines seiner schönsten Bilder aus jener Zeit, als Halle wirklich eine Stadt großartiger Kunst war. Es hängt dort nicht zufällig. Martin hat dazu eine direkte Beziehung und es ist nicht falsch zu sagen, dass er mit selbstverständlicher Intensität in dieser halleschen Tradition arbeitet, die er auf seinem Gebiet maßstabgebend weiterführt. Es gibt auch andere Sammlungen, die etwas über seine Lieben verraten. Aus einem Acker gräbt er seit Jahren kleine Flaschen aus, die von herzzerreißender Liebenswürdigkeit sind. Das Schaufenster des Ladens ist die Galerie der keramischen Freunde. Und dann gibt es die Vitrine mit Orangen und gelben Früchten, die aus glasiertem Ton sind. Sie kommen aus dem fernen China und verbergen im Inneren intime Besonderheiten. Es sind Hochzeitsgeschenke an unschuldige junge Paare, die noch etwas lernen sollen. Martin war selbst in China, ich glaube, dass auch davon sein keramisches Denken geprägt ist. Viel öfter war er in Amerika. Wie sehr ihn das beeinflusst hat, weiß ich allerdings weniger. Tatsache ist, dass er dort Werkstätten und Kollegen kennt, an Symposien teilgenommen hat, wenn er sie nicht sogar leitete, und dass es einen halbverrückten Keramiker gibt, den er sehr verehrt.
Ich freue mich nun sehr, dass wir hier diese gemeinsame Ausstellung haben und ausgerechnet beim »Buchbinder« Andreas Richter. Mit Andreas zusammen entstand auch der schöne Katalog, der Martins Arbeiten und auch sein früheres Atelier wirkungsvoll ins Bild setzt. Für heute hat er übrigens einige Gefäße angefertigt, die etwas mit meinen Plakaten zu tun haben. Und auch ich habe tatsächlich, nach jahrelangem Reden, kürzlich an einem schönen Nachmittag wieder einmal einige wenige Schalen von ihm bemalt.
Für alles danke ich und wünsche der Ausstellung eine wohlwollende Aufnahme.

H. B., 20. August 2016




Rosa Loy
Sommerfreuden

Ausstellung vom 9. Juli bis 14. August 2016


Hiermit laden wir Sie herzlich ein
zur Eröffnung der Ausstellung
am 9. Juli 2016 um 14 Uhr in die
Galerie im Herrenhaus zu Dobis.






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Die für uns als Geschichte fassbare Vergangenheit ist von Männern bestimmt. Sie erfinden, komponieren, schreiben Bücher. Sie regieren. Sie schaffen Vorschriften und Gesetze. Sie strafen. Sie töten. Das heillose Durcheinander, in dem wir leben, ist ihr Werk: Geschwindigkeit, Effektivität, Neid, Hass und Streit. Jeder will siegen, der Erste sein, der Beste, der Reichste. An Ruhe ist nicht zu denken. Es ist erstaunlich, dass es in der antiken griechisch-römischen Welt wenigstens Göttinnen gibt und in der christlichen Welt immerhin anerkannt wird, dass der Erlöser eine Mutter hatte, und keinen „irdischen“ Vater.
Alles, was wir vorfinden, ist die Welt der Männer. Wie wäre eine Welt der Frauen? Würden sie auch strafen und töten? Eine solche Gegenwelt ist für mich die Malerei von Rosa Loy. Wäre das nicht eine Lösung. Ein verwunschener Garten, alles langsamer, natürlicher, gemeinschaftlicher, heiterer und voller Freude. Ihre Figuren, die eben Frauen sind, bleiben dabei keinesfalls faul. Sie schmieden und bauen. Sie arbeiten, aber in Harmonie und Ausgeglichenheit mit sich und der Natur. Es gibt Rätsel. Aber die drängen nicht zur Auflösung. Rosa Loy malt nicht
auch, sie schafft eine eigene, sogar neue und vielleicht hoffnungsvolle Welt.
Das bemerke ich – ein Mann – nicht ohne Bewunderung und Achtung.


Das Mädchen schweigt, bis die Spindel sich dreht.
Sterntaler fällt. Die Zeit in den Rosen vergeht: –
Ihr Herren, gebt mir das Schwert in die Hand,
und Jeanne d'Arc rettet das Vaterland.
Leute, wir bringen das Schiff durchs Eis,
ich halte den Kurs, den keiner mehr weiß.
Kauft Anemonen! drei Wünsche das Bund,
die schließen vorm Hauch eines Wunsches den Mund.
Vom hohen Trapez im Zirkuszelt
spring ich durch den Feuerreifen der Welt,
ich gebe mich in die Hand meines Herrn,
und er schickt mir gnädig den Abendstern.

aus: Ingeborg Bachmann
Die blaue Stunde


Für
die Ausstellung hier in Dobis gibt es ein Plakat, auf dem das Bild mit dem schönen Mädchen und der lauernden Elster abgebildet ist. Das Besondere an diesem Bild ist der Ring, den das Mädchen in der Hand hält. Der Ring hat einen Stein, und dieser Stein strahlt. Es hat den Titel: Ein Wunsch. Der Ring verspricht offenbar die Erfüllung eines Wunsches. Die Elster interessiert sich für den Ring, sie ist wahrscheinlich eine "diebische Elster", la gazza lagra, Diebin eines Goldstückes, bei Rossini. Weiß sie, was ein Wunsch ist? Sie interessiert sich für das Glitzern. Dem steht sie besondere Kräfte zu, und sie will diese Kräfte besitzen. Elstern sind fast so klug wie Menschen. Ist sie vielleicht ein verzauberter Mensch, wohl möglich ein Mann? Und interessiert sich mehr noch für das unschuldige Mädchen? Ist das ihr Wunsch? Oder ist es ein Wunsch des Mädchens? Wünscht sie sich einen Mann? Haben beide denselben Wunsch? So viele Fragen. Dieses Bild bleibt ein unentschlüsselbares Geheimnis. Ist das so gemeint? Kennt es die Künstlerin? Ich höre, das Bild sei inzwischen verkauft. Ahnt der Käufer etwas von der verborgenen Dramatik? Oder genügt es, dass es ein schönes Bild ist?
Mir gefällt jedenfalls, wenn Bilder etwas erzählen, oder besser noch, verstecken. Mir geht das so mit den meisten Werken von Rosa Loy. Sie entziehen sich gewissermaßen einer rein ästhetischen Betrachtung, wenn sie auch gleichzeitig ausreichend Schönheit besitzen, um der oberflächli­chen Anschauung zu genügen. Ist es nicht sogar besser, erst einmal dieser oberflächlichen Betrachtung zu entsagen und sich einzulassen in die Wun­derwelten der Rätsel? Hier begegnet man einer Besonderheit, die wirklich eigen ist, und die für den rechten Betrachter etwas völlig Neues sein muss, das Geschenk einer anders empfundenen Sicht, die staunen macht. Diese Bilder sind unbekümmert und unakademisch. Auch heiter. Oder, sie for­dern uns auf, der Welt unverstellt zu begegnen, ein wenig mit Kinderau­gen, mit Augen, die nicht durch Schule, Wissen, Erfahrung und Spekulati­on verdorben sind. Wir dürfen lachen und manchmal auch etwas weinen, wenn die Elster dann doch den strahlenden Ring gestohlen hat, wie einst der Merseburger Rabe, der nun zur Strafe schon seit hunderten Jahren im eisernen Gefängnis sitzen muss.
Ich fordere also Sie, die Besucher, auf, sich die Bilder mit den genann­ten Kinderaugen anzugucken und zu staunen, was für komische Dinge da zu sehen sind. Und das, was sie sehen nicht mit dem zu vergleichen, was Sie schon kennen, oder mit dem, was Sie erwarten. Wenn man eine Tür nicht öffnet, bleibt man draußen. Das ist zwar schön, weil man das Draußen schon kennt, aber auch schade, gerade weil man es kennt und einem das Innen verschlossen bleibt. Und ist es nicht auch so, dass sich über den Weg nach Innen auch die Sicht auf das altbekannte Außen verändert. Es passiert mir immer wieder, dass man dieselbe Sache anders sieht, weil sich nicht die Sache verändert hat, sondern man selbst. Man liest mit Staunen ein Buch, das man als Schüler gehasst hat, oder man wundert sich, was man einst liebte. Rosa Loy lädt uns ein zu solchen Wechselbädern des Empfindens und gibt Anstoß zu lauterer Freude über die Entdeckung von Überraschungen, die in uns selbst stecken.
Ich möchte noch anmerken, dass Rosa Loy zuerst Gärtnerin war und das auf ihre Weise auch immer noch ist. Die Kommunikation mit sprachlo­sen Lebewesen ist etwas Eigenes. Pflanzen danken es, wenn sie stattfindet, indem sie wachsen und blühen, und sie verdorren, wenn man ihre Sprache nicht versteht. In ihren Bildern steckt jedenfalls viel drin von einer nicht durch Intellektualität geprägten Liebe, sonden jener anderen, die emotional gelenkt ist, und, um es nun ganz platt gärtnerisch auszudrücken, die geerdet ist.

Sinnliche Intelligenz schließt Gras, Wind, Bäume und Erde ein; auch Pflanzen und Früchte, die durchaus auch Manna sein können. Ernten im Schatten, braucht man da eine Leiter? Haare, die zu Zweigen werden, Zweige, die blühen, ein gelber Vogel, der Fragen stellt, braucht der ein Vogelhaus, wie ein anderes Geliebtes Wesen, ein Schmetterling, der aus einer Kiste wächst, in der ein grüner Kobold lebt, zusammen mit einer Pflanze mit Mädchengesicht. Ihre Freundin hat Blumen Heimgebracht, schön ist die Landschaft, das Wasser, das Gartenhaus. Was mag eine Stafette sein? Auch da darf ein Garten nicht fehlen für Kuh und Libelle. Ganz merkwürdige Sachen machen zwei andere Frauen. Was mögen sie Auflösen? Sie züchten unbekannte Wesen, Pflanzen, die vielleicht sogar brennen können, ohne zu verbrennen, und als fackelnde Briefe versandt werden. Wie Fragil ist doch unsere Welt. Den exotischen Schmetterling sollte man schleunigst fangen, ehe die Zauberinnen die Geburt der Venus aus einem Ei im Wald vollendet haben. Hätten sie keinen Keim, könnten sie keine Vulkane im Garten wachsen lassen. Aber das ist gefährlich und heiß, da braucht man schon einen Fächer, um Luft zu bekommen. Eins mit mir scheint die Liebesbeziehung zu einem lebensgroßen Falter zu sein. Den Wärterinnen, wachsen Blumen aus ihren Mützen, die bis in den Himmel reichen, wenigstens die höchsten Zweige mit Knospen, die bald aufgehen werden.
Immer wieder: Gartenarbeit ist gefährlich, wenn man erst einmal er­kannt hat, dass Pflanzen leben. Auf der Bienenweide braucht man eine gute Hacke und muss aufpassen, dass die Gemüse nicht zu schnell erwach­sen werden. Gesichter haben sie schon und fordernde Blicke. Sie brauchen unbedingt Wasser. Kein Wunder, dass die Gärtnerin dann gleich den gan­zen Garten sprengen will. „ . . . und übersieh mir nicht zwischen den Blu­men das Unkraut, das auch Durst hat.“ Das rät Brecht. Aber der Schlauch macht, was er will, er wird zur Zeitschleife und droht sie ganz zu um­schlingen.
Letzter Ratschlag: Man kaufe eine Hollywood-Schaukel. Unter reifen Sonnenblumen soll sie aufgehängt sein. Man durchblättert beiläufig schö­ne Literatur, während ein Auge schon nach der geschäumten Milch schielt. Sommerfreuden.

Soviel erst einmal, alles Andere werden Sie selber sehen.

Helmut Brade, 9. Juli 2016
















Rosa Loy stammt aus Zwickau in Sachsen. Nach einem Studium in Berlin arbeitete sie als Diplomgartenbauingenieurin ehe sie an der Hochschule für Graphik und Buchkunst in Leipzig studierte und im Fachbereich Buchkunst/Gebrauchsgrafik bei Prof. Rolf Felix Müller das Diplom erwarb. Danach war sie Meisterschülerin im Fachbereich Malerei/Graphik bei Prof. Rolf Münzner. Sie ist seit 1993 freiberuflich tätig, lebt in Markkleeberg und arbeitet in Leipzig.














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Hendrik Tauché
Malerei Grafik Keramik

Ausstellung vom 4. Juni bis 3. Juli 2016


Hiermit laden wir Sie herzlich ein
zur Eröffnung der Ausstellung
am 4. Juni 2016 um 14 Uhr in die
Galerie im Herrenhaus zu Dobis.






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Hendrik Tauché wurde 1962 in Weißenfels geboren. Nach dem Abitur
studierte er bei Dieter Weidenbach Malerei und Graphik und arbeitete
anschließend bei dem Keramiker Christoph Schulz, einem Schüler von Gertraud
Möhwald, bei dem Gebrauchsgraphiker Helmut Brade und in der
Töpferei von Peter Dolacinski. Seit 1989 lebte er als freiberuflicher Maler
und Graphiker in Halle und in Weißenfels und ist heute in Kreischau und
Teschvitz/Rügen tätig. Einzel- und Gruppenausstellungen hatte Tauché vor
allem in den neuen Bundesländern.

Hendrik Tauché in Dobis

Ich kenne Hendrik Tauché schon sehr lange.

Was mich immer wieder beeindruckt hat, ist seine Besessenheit, mit zeichnerischen Mitteln Geschichten zu erzählen und zu interpretieren. Der Stoff scheint ihm nicht auszugehen, denn seine Interessen sind dermaßen weitläufig und weiträumig, dass man damit rechnen muss, dass er nie fertig werden kann. Schließlich ist es nicht nur die Realität autobiographischer Empfindungen und Erlebnisse, die ihn bewegt, sondern es sind viel mehr die Weiten des Überirdischen und der Irrationalität, die grenzenlose Spielräume eröffnen. Spielräume ist ein wirklich passendes Wort; denn zu spielen scheint er wirklich immer noch, so dass seine Bildfindungen oft kindlich sind und keinesfalls getragen von hochgestochener intellektueller Spekulation.
Er kennt sich aus. Märchen und Mythen umschwirren ihn. Hendrik Tauché besitzt die Gabe, diese »alten Geschichten« ernst zu nehmen und aus seiner, zuweilen persönlichen, Erfahrung nachzuerzählen. Dabei orientiert er sich äußerlich an vorgefundener Bildsprache, aber wenn man die Gesichter seiner Götter und Helden genauer ansieht, sind es heutige Menschen, denen man im täglichen Leben begegnen könnte. Im Bereich oft schwarzweißer bildhafter Neubelebungen – von Illustrationen möchte ich nicht sprechen – gelingen ihm kraftvolle und formal spannungsvolle Kompositionen.
Die Märchenwelt der vorelektrifizieten Epoche, in der es noch Dunkelheit gab, muss für ihn gegenwärtig sein. Er bringt sie uns in Erinnerung, transponiert sie aber in eine hell gewordene Welt, die nun nicht mehr fürchtet, was sie nicht mehr kennt. Ihn interessieren die komischsten Dinge, die oft auch mit literarischen Vorlagen korrespondieren. In der Siebdruckmappe mit dem Titel »Schöne Sachen« findet man neben schönen Frauen und Träumen auch tragische Momente; denn der Tod ist doch keine »schöne Sache«, und Merkwürdiges, wie jenen Mann, »der mit eigenen Augen gesehen hat, wie Gott ein gekochtes Ei schälte«. Diebstahl in menschenleerer Einöde, auch wieder ein unlösbares Rätsel, das vielleicht tiefere Bedeutung hat.
Die Rolle des Menschen im Universum ist ein Weg. Zuerst war er fast noch ein Tier, im dichten Wald entstanden, ehe er langsam zu planvollem Handeln fand, zu praktischer Intellegenz, später denkend, erfindend, spezialisiert, äußerst fähig. Er findet Kohle, Öl und Gas, die Hinterlassenschaft millionenalter Organismen aus versunkenen Wäldern, vor Urzeiten, als an ihn noch nicht zu denken war. Mit diesen gespeicherten Resten fliegt er nun, der stolze Mensch, von Kontinent zu Kontinent und bewegt sich ohne sich selber bewegen zu müssen von hier nach da. Das alles ist Hendrik Tauché bewusst und emotionaler Hintergrund, wenn er, auf einfache und unverbildete Weise zu der von ihm vorgefundenen Welt Stellung nimmt. Seine Schäfer kennen noch die Schafe, hüten sie, behüten sie und gehen mit ihnen einen Lebens- und Todespakt ein. So ist sein künstlerisches Schaffen auch ein philosophisches, das unseren Ursprung und die heutige Situation mit Bildern bestimmt, die nicht unbedingt »Kunst« sein wollen, es aber doch sind, da er mit zeichnerischer Begabung seine Vision vortragen kann. Er zeichnet, wie mir scheint, zwanghaft, wie ein Welt­entdecker oder eben ein Kind, das staunend Türen öffnet. Es gab vieles vor uns, das noch in uns ist, was aber im allgemeinen Trubel verschwindet und doch bleibt, und wessen sich manche Künstler und Philosophen mit schmerzlicher Liebe erinnern. Schmerz­lich deshalb, weil sie den Weg erkennen, die Verluste begreifen und eine leise Ahnung von einer vielleicht tragischen Zukunft spüren.

Es ist schade, dass Tauchés zeichnerisches Talent nie von einem geldgierigen Verleger entdeckt worden ist. So blieb es häuslich, auseinandersetzungslos, verspielt in mitunter verantwortungsloser Individualität, egomanisch und rätselhaft. Es scheint fast ungehörig, einen solchen Künstler in die Öffentlichkeit zu zerren, die aber, wie schon kürzlich in dem einen Dorf, nun in einem anderen Dorf begrenzt bleibt. Aber vielleicht sind wir hier doch ganz richtig.
Es gehört zu den Eigentümlichkeiten unserer jetzigen Zeit, dass es eine gewisse Zuwendung zu natürlichen Dingen gibt. Alles ist industriell geworden. Nun entdeckt man plötzlich Ursprüngliches wieder und erfreut sich an richtigen Eiern und dreckigen Möhren. Auch in den Künsten gibt es Entfremdungen und Irrwege, die im Nonsens enden. Die Liebe zu dekorativer Oberflächlichkeit kennt keine Grenzen, die Digitalisierung der Welt fördert ihr sinnliches Verschwinden. Davon ist Hendrik Tauché weit entfernt. Darüber kann man sich wirklich von Herzen freuen. Seine Arbeiten sind voller Liebe zu unserer schönen Welt. Das ist ein guter Weg, für ihn natürlich und für uns, wenn wir uns die Mühe machen, seiner Vision zu trauen. Mag unsere Bedeutung im Universum auch kläglich sein, es ist doch jedes Menschen einziges Schicksal. Dem Seele zu geben, und das vermag seine Kunst, ist eine einfache Möglichkeit, als Individuum dieser Kläglichkeit zu entgehen.


Helmut Brade
4. Juni 2016

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SAISONSTART


GRÜSSE AUS WETTIN
HISTORISCHE ANSICHTEN UND POSTKARTEN

Ausstellung vom 1. bis 29. Mai 2016





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