Kunst, Kultur und genußvolle Atmosphäre auf dem Lande

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Frank Hauptvogel

Malerei und Graphik




Ausstellung vom 26. August 2017 bis 24. September


Hiermit laden wir Sie herzlich ein
zur Eröffnung der Ausstellung
am Sonnabend, dem 26. August 2017 um 14 Uhr in die
Galerie im Herrenhaus zu Dobis.






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Frank Hauptvogel
Wieso eröffnet im Herrenhaus zu Dobis ein Fotograf die Ausstellung eines namhaften Leipziger Malers, wird sich der Eine oder Andere beim Lesen der Einladung gefragt haben.
Die gleiche Frage habe ich mir auch gestellt, als mich Frank Hauptvogel bat, zur Vernissage seiner Ausstellung ein paar Wort zu sagen.
Als erstes habe ich abgelehnt, so wie sich eine Frau beim ersten Kussversuch angemessen aber nicht zu heftig ziert, und auf den zweiten Versuch hofft. Da Frank aber in seiner betont ruhigen Art beharrlich blieb, im übertragenen Sinne den zweiten und dritten Angriff führte, wurde ich schwach und sagte zögerlich ja. Zögerlich bedeutete in diesem Fall, ich werde darüber nachdenken! Jugendlicher Übermut war meine Zusage sicher nicht, schon eher eine Alterstorheit, und vielleicht auch ein wenig Eitelkeit. Denn wer wäre nicht geschmeichelt, die Präsentation eines so namhaften Künstlers mit eigenen Worten zu eröffnen. Der Anspruch ist hoch, habe ich mir gesagt, hat doch vor fünf Wochen an gleicher Stelle Helmut Brade die Ausstellung von Volker Pfüller mit wohl gesetzten Lyrikversen eröffnet, moralisch von seiner sprachgewaltigen Frau Alena Fürnberg unterstützt. So ganz ohne die kritische Unterstützung fühlte ich mich mit meiner Philosophin im Rücken jedoch auch nicht, habe ich mir gesagt, und ging mehr oder doch weniger frisch ans Werk.
Frisch ans Werk gehen hieß, die Eröffnungsreden von Hauptvogels vorangegangenen Ausstellungen zur Kenntnis zu nehmen und über die kunstwissenschaftlichen Deutungen in den Vorträgen der Laudatoren in ein großes Staunen zu verfallen. Wer schon einmal eine erlebte Einführungsrede im Nachhinein und in Ruhe nachlesen konnte, weiß wovon ich spreche. Zu diesem Zeitpunkt stand für mich fest: Absagen, egal was sich daraus ergibt. Gründe für ein Nein hatte ich reichlich. Ich sah mich außerstande, in der Art der Redner vorangegangener Ausstellungen Frank Hauptvogels die Bilder zu deuten und zu interpretieren. Ich könnte eigentlich nur sagen, dass sie mich faszinieren und gefangen nehmen. Und darüber hinaus kenne den Menschen Frank Hauptvogel nicht persönlich, über den ich gern etwas erzählen würde. Aus seiner Biographie ist mir bekannt, dass er 1959 in Eisleben geboren wurde und eine glückliche Kindheit erlebte. Er war ein Lehrerkind, dessen künstlerisches Interesse in der Familie gefördert wurde. Berufsausbildung mit Abitur machte man in Eisleben im Hüttenkombinat.
Ich selbst war in meinem zweiten Leben als Ingenieur der Metallkunde mehrfach in Eisleben und konnte die Geschichten über den geretteten Lenin und die versteckte rote Fahne und den heroischen Kampf der Kumpels in fast jeder wissenschaftlichen Konferenz als Einführung erleben. Als Außenstehender könnte man schnell sagen, dass Frank Hauptvogel im roten Mansfeld sozialisiert wurde, doch vor derartigen Feststellungen hüte ich mich. Ich kenne ihn zu wenig.
Nach dem Abitur leistete er, wie von Staat vorgesehen, seinen Armeedienst ab und erhielt danach auf Grund seines erkennbaren Talentes einen Studienplatz an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig im Fachbereich Malerei unter der Professur von Arno Rink. Eine Meisterschülerzeit bei Rink schloss sich an. Es folgte eine zeitlich befristete Dozentur an der Hochschule der Bildenden Künste in Dresden. Frank Hauptvogel lebt heute als freischaffender Maler in Leipzig. Die Idee, hier heute ein paar Worte zu sagen, wurde von den Gastgebern Edith Scholz und Andreas Richter vehement, und unter Androhung des Verlustes der Freundschaft, unterstützt. Meine Frau schlug in dieselbe Kerbe, jedoch wenigstens nicht mit der Androhung des Verlustes der Liebe. Und so stand ich allein auf weiter Flur. Ich rettete mich mit der Forderung, den Künstler in seinem Atelier in Leipzig zu besuchen, in die nächste Runde. Also machten wir uns auf den Weg nach Leipzig, den Lebensmittelpunkt des Künstlers. Unser Weg führte uns über die Autobahn 14 in Richtung Dresden, in der Höhe des Schkeuditzer Kreuzes überquerten wir die Grenze zum Freistaat Sachsen. Ich erwähne diesen Umstand ausdrücklich, da ich das problemlose überqueren von Grenzen noch immer als etwas Besonderes empfinde. 28 Jahre ohne jegliche Reisemöglichkeit und den damit verhinderte fachlichen Kontakt und Austausch mit Künstlerkollegen in westlichen Ländern nehme ich den verblichenen Machthabern der DDR bis zu meinem Lebensende übel. Wo die Grenze auf der Fahrt nach Leipzig zwischen Sachsen und Sachsen-Anhalt genau verläuft war nicht feststellbar, da die großen Werbetafeln mit dem Hinweis, dass Sachsen-Anhalter früher aufstehen, inzwischen verschämt entfernt wurden. Mal sehen, was wir demnächst laut Werbetafel gut können. Vorstellen könnte ich mir: „Sachsen-Anhalt-wir sind arm wie Kenia.“ Geschrieben in den Farben Schwarz-Rot-Grün.
Das Atelier von Frank Hauptvogel fanden wir dank der Kenntnis unseres Fahrers Norbert Kaltwaßer und trotz erheblicher Baustellen pünktlich zur vereinbarten Zeit. Das Gebäude befindet sich in einem Industriegelände unweit des Zentrums. Eine eiserne Freitreppe führte uns in das erste und zugleich oberste Stockwerk. Ich wusste, dass der Raum, den wir gleich betreten würden, Atelier und Wohnung in einem ist. Ich war sehr neugierig auf den ersten Eindruck, verrät doch ein Besuch in die ganz persönliche Arbeits- und Lebenswelt eines Künstlers unendlich mehr als jede Biographie. Und genau diese Nähe zum Künstler und seine Lebenswelt wollte ich kennenlernen, um zu entscheiden, ob ich, wie gewünscht, etwas über ihn sagen kann.
In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an die Reise mit meiner Frau nach Amsterdam vor wenigen Wochen, wir wollten endlich einmal van Gogh und Rembrandt in den ihnen gewidmeten Museen sehen. Bei van Gogh wurde man an den berühmten Bildern vorbei geschleust, das Tempo bestimmte die drängelnde Menge. Und statt Rembrandts Nachtwache im Reichsmuseum registrierten wir mindestens 100 hochgestreckte aufnahmebereite Handys. Die wirkliche Begegnung mit dem Genie Rembrandt hatten wir am nächsten Tag in seinem Haus, von ihm 18 Jahre bewohnt, und vor nicht langer Zeit in den Originalzustand seiner Zeit und mit authentischen und vielen persönlichen Gegenständen ausgestattet. Die wenigen Besucher erlaubten es, sich als Besucher des Meisters zu fühlen, an seinem Schlafschrank in der Küche und im Atelier darauf zu warten, dass er hervortrat und zu seiner Staffelei im oberen Stockwerk ging. An dieses Gefühl erinnerte ich mich, als ich um eine Begegnung mit Frank Hauptvogel in Leipzig bat. Bis zu diesem Zeitpunkt kannte ich Frank Hauptvogel nur flüchtig. In einer kleinen, zufällig entstandenen Gesprächsrunde anlässlich meiner Ausstellung in der Willi-Sitte-Galerie im November des vergangenen Jahres erlebte ich den großgewachsenen Mann mit der auffälligen Frisur zum ersten Mal. Ich wusste nicht wer er war, aber seine Bemerkungen zur Malerei und Fotografie fand ich sehr durchdacht und bemerkenswert. Seine Tafelbilder zogen mich schon seit seiner großen Ausstellung im Juli 2015 in der Willi-Sitte-Galerie in ihren Bann, ich habe sie mehrmals besucht. Wie ist es möglich, habe ich mich damals gefragt, dass man diesen Maler und seine großartigen Bilder, die man sicher der Leipziger Schule zurechnen kann, bisher nicht kannte.
Ich habe für mich ganz persönlich eine Einordnung versucht und kam zu einer für Kunstwissenschaftler sicher katastrophalen Lösung: Hauptvogels Malerei ist für mich Neo Rauch plus. Inzwischen ist mir bekannt, dass Hauptvogel und Rauch Studienkollegen waren, und Frank die Malerei seines international erfolgreichen Kollegen sehr schätzt. Wir wurden im Atelier freundlich begrüßt und betraten neugierig den Raum, in dem viele der von uns bewunderten Bilder entstanden sind. Auf der Staffelei, der erste Blick führte direkt zu ihr, eine große Kohlezeichnung, Format mindesten A0 oder größer. König Lear stand ich gegenüber, und meine Vermutung bestätigte sich im Gespräch, Figuren der Weltliteratur sind häufig Protagonisten seiner Arbeiten. Die reichlich 20 Lebensjahre im Mansfelder Land und die Erinnerung an diese Zeit spielen in seiner Malerei keine Rolle, wobei er betont, dass diese Zeit eine glückliche war. Kürzlich ist er an die Stätten seiner Kindheit und Jugend zurückgekehrt, hat ihm wichtige Orte besucht und Menschen aus dieser Zeit getroffen. In einem dieser Gespräche fragte ihn eine über 80jährige alte Dame, ob er denn tatsächlich der Frank Hauptvogel sei. Als er bejahte wurde ihm mitgeteilt, -„dann war ich Ihre Hebamme“-. Er hat sich anscheinend kaum verändert. Zum Gespräch saßen wir in einer Sitzgruppe am Rande des Ateliers, Plätzchen und Obst auf dem Tisch, und den großen Raum mit Staffelei, Malutensilien und vielen Entwürfen, Skizzen und persönlichen Dingen im Blick. Ein Schokoladenplätzchen habe ich als einziger genommen, dafür aber sehr viele Eindrücke aus der persönlichen Welt des Malers Frank Hauptvogel. Bei Atelierbesuchen wie diesem bewege ich mich immer sehr zurückgenommen. Ich stelle mir vor wie es wäre, wenn sich mir weitgehend fremde Personen in meiner privaten Welt bewegten, und alles was mir lieb und wichtig ist und natürlich herumliegt, in die Hände nehmen. Der aufmerksame Gast erkennt auch bei aller erforderlichen Distanz viele Hinweise auf persönliche und die Person prägende Dinge. Der Arbeitstisch mit den Pinseln und Farbtuben neben der Staffelei, kleine Skizzen mit festgehaltenen ersten Ideen. Und natürlich angepinnte Zettel an den Wänden, deren Inhalte dem Besitzer sicher wichtig sind und einiges über sein Denken und Fühlen äußern, so natürlich auch bei Frank Hauptvogel.
Drei Zitate fielen mir auf, nicht autorisiert, aber sehr bezeichnend. Meine Bitte, sie fotografieren zu dürfen wurde bejaht und ich möchte sie hier zitieren. 1. „Glaubwürdigkeit ist im künstlerischen durchaus wichtig. Also bemühe ich mich nach bestem Wissen und Gewissen darum“. 2. „Es ist der falsche Weg, wenn sich das künstlerische auf der Suche nach dem Künstlerischen erschöpft. Làrt pour Làrt“. 3. „ Auch ist das Künstlerische kein Dokument der Zeit, sondern des immer Währenden“.
Im Gespräch gewann ich den Eindruck, dass die Texte durchaus aus der Feder von Frank Hauptvogel stammen könnten. Er bekräftigte seine Auffassung, dass aktuelle politische Themen für die Malerei nicht geeignet sind. Persönliche Lebensgeschichten sind für ihn keine Grundlage für seine Bildentwürfe. Die Landschaften seiner Bilder, in denen die oft skurrilen Figuren agieren, sind nicht der Wirklichkeit entnommen, sie entspringen seiner Phantasie. Das immer wiederkehrende Narrenmotiv lässt das Leben zum Theater werden, die Menschen in seinen Bildern, entstanden im Kopf des Malers. werden zu surrealen Figuren. Bei genauem Hinsehen entdeckt man in den Figuren und ihren Handlungen erschreckend menschliche Eigenschaften. Er benutzt in seiner Malerei Metaphern und Symbole, um die Grenzen der Wirklichkeit zu überwinden Bilder solch visionär-phantastischer Malerei aus dem Kopf und dem Pinsel eines Malers habe ich in den vergangenen Jahren häufig im Panorama Bad Frankenhausen gesehen. Auch unter dem Gesichtspunkt, weitere Ausstellungen deutschlandweit besucht zu haben. Zweimal im Jahr fahren meine Frau und ich, manchmal auch mit Freunden, in den Südharz und damit in die Welt der europäischen Visionäre und Phantasten. Eine sich anschließende, oft zweistündige Wanderung in der geschichtsträchtigen Landschaft des Kyffhäusergebirges, lässt Raum und Zeit zum Verarbeiten des Erlebten. Bilder des Italieners Giorgio Scalco, des Stanislao Lepri und des Spaniers Dino Vals sowie kürzlich die phantastischen Werke des jungen, in Leipzig lebenden Künstlers Markus Matthias Krüger, wirken lange Zeit nach und lassen mit Neugier auf die nächste Ausstellung warten. Seit wir die Bildwelt des Frank Hauptvogel ein wenig kennen sind wir dem Wunsch erlegen, seine Bilder im großen Halbrund um Tübkes phantastisches Bauernkriegsepos betrachten zu können. Als wir ihn darauf ansprechen ernten wir ein feines Lächeln, und den Hinweis auf seine bisherigen Ausstellungen in Hamburg, Berlin, München, Köln, Dresden, Dessau, Merseburg und Halle sowie demnächst in wieder München. Unsere Frage nach einem ihn vertretenden Galeristen und einen Katalog mit seinen wichtigsten Werken verneint der Meister. Es wird noch ein wenig gesprochen, Organisatorisches zur Ausstellung in Dobis geklärt, keiner nimmt ein Plätzchen, gemeinsame Heimfahrt.
Wieder in Halle und noch beeindruckt von all dem Gesehenen und Gehörten und dem beginnenden Kampf mit dem Text setze ich mich in meine Chouchecke und entschwinde augenblicklich in das Reich der Träume. Und Hauptvogels Bildwelt hat mein Hirn und damit meine Traumwelt erreicht. Die Gestalten seiner Bilder, die Puppenspieler und Narren, die Beschädigten und Tanzenden, sie alle soufflieren mir ihre Vorstellung eines Textes für ihren Erzeuger. Problematisch für mich ist, dass sie es alle zur gleichen Zeit und mit sehr großer Intensität versuchen.
Der von Jule Reckow beschriebene Kampf der Figuren im Werk von Frank Hauptvogel zwischen Ordnung und Phantasie geht in meinem Traum nun in Richtung eines völligen Durcheinanders. Es ist ein Babylonisches Stimmengewirr, in das eine mir vertraute Stimme aus dem Off mitteilt, dass der Kaffee fertig sei.
Ich bin zurück in der realen Welt, an einem Montag 14 Uhr 30, und beginne meinen Kampf um Ordnung und Phantasie im Text für Frank Hauptvogels Ausstellung hier in Dobis. Ich bin sicher, die hier im Herrenhaus gezeigten Arbeiten aus dem Gesamtwerk des Künstlers werden bei Ihnen den Wunsch wecken, mehr über Frank Hauptvogel und seine Bilderwelt zu erfahren.
Für Interessierte zwei Links:
Für Seher und Empfinder: Google - Frank Hauptvogel – Bilder
Für Erklärer: Google – Frank Hauptvogel - Texte

Sollten Sie sich mit dem Gedanken tragen, ein Werk von Frank Hauptvogel zwecks Geldanlagen zu erwerben, muss ich Sie warnen. Der alte Spruch meiner Mutter „ Erwirb in der Zeit, dann hast Du in der Not“ gilt hier nicht. Einen Hauptvogel nimmt man selbst bei größter Not nicht von der Wand, um ihn zu verkaufen. Mit einem Hauptvogel lebt man bis zum letzten seiner Tage unter einem Dach.

Jochen Ehmke, Dobis, 26. August 2017






Die Kunst bekräftigt jenes Beste, zu dem ein Mensch fähig ist – also Hoffnung, Glauben, Liebe, Schönheit, Andacht oder das, was man sich erträumt oder erhofft. Wenn sich ein Nichtschwimmer ins Wasser stürzt, dann beginnt sein Körper, also nicht etwa er selbst, instinktive Bewegungen zu seiner Rettung zu machen. Auch die Kunst ist so etwas wie ein ins Wasser geworfener Menschenkörper – sie existiert als Instinkt, der die Menschheit im geistigen Sinne nicht ertrinken lassen will. Im Künstler manifestiert sich der geistige Instinkt der Menschheit.
Die Kunst ist so etwas wie eine Liebeserklärung, wie ein Eingeständnis der eigenen Abhängigkeit von anderen Menschen. Sie ist ein Bekenntnis. Ein unbewusster Akt, der aber den eigentlichen Sinn des Lebens widerspiegelt – die Liebe und das Opfer.

Andrej Tarkowskij






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Seelen. Öl auf Leinwand. 140 x 190 cm. 2017


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kurios. Öl auf Leinwand. 130 x 110,5 cm. 2014


.... ... .. am fuße der blauen stunde zieht sich das räumliche zurück und zusammen und mit den endlosen konzerten der vögel versingen im zunehmenden ab erscheinen die tiere der nacht in abendrobe zum meiden der anstände in schwarzen scherenschnittrudeln zu feiern der eben noch flachen sonnenstrahlen mit der kraft für lange schatten verschwinden sie in dem sanft verschlingenden dunkel ein hallender schuß verfehlt den haken des hasen als querschläger streift er den atem des jägers mit ziel des käuzchens weggabel steckt nun die stille.


Wolfgang Krause Zwieback


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Fluß. Öl auf Leinwand. 200 x 130 cm. 2014


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GESCHICHTEN RAY ZWIE BACK TRAKTOR

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Furche um Furche ... Zahn um Zahn ... …. waren seine Gedanken …
als er auf dem moorastischen Feld sein Fahrrad aufgegeben hatte ...
und nun selbst sich kaum noch über Wasser halten konnte … denn die vielen Tage mit Regen …
hatten sich im Boden niedergeschlagen ...
Manchmal gab es ja einen steinharten Feldweg … aber jetzt gab es nur Schlamm ...
Er hatte noch einen Schokoriegel in der Tasche … aber auch in der Tasche war Schlamm ...
In der Erschöpfung dachte er an eine Autofahrt damals bei brütender Hitze … über einen
Feldweg … steinhart ... und dann … diese Pfütze ...
Der Wagen saß auf ... Er lief einige Tage ...
Fand im nächsten Dorf einen Traktor … und sie zogen den Wagen raus ...
Aber jetzt … ohne Fahrrad … so im Schlamm … ging es nicht vorwärts noch zurück ...
Inzwischen war er viel größer geworden ... Der Schlamm hatte ihm zugesetzt ... Er monsterte ...
ungewollt … sah er aus … als würde ihm kein Traktor nützen … selbst … wenn er da wäre ...
Und er machte auf den Weg ...
Es war bestimmt nicht hoffnungslos … aber für immer konnte es so nicht bleiben ...
Es gab keine Furchen mehr … alles Schlamm … und das bis zum Horizont ... scheinbar ...
Dann ... kam doch tatsächlich ein Traktor … mit Pflügen im großen Stil ...
Je näher er kam … je mehr verschwand er … dann war er weg ...
Bei Sonnenaufgang kam ein neuer Traktor mit Pflügen … kam näher … verschwand … fast ...
denn als er bei ihm war … ragte noch die Kanzel aus dem Schlamm ... und …
der Fahrer leuchtete mit seinem Goldkettchen … grüßte … fuhr vorbei … fast … winkte …
nahm ihn mit ... Schaltete den ganzen Allradmodus ein … klappte die Pflugflügel weg ...
und so schwammen sie zum Ufer ... machten dort Brotzeit ... blickten auf die weichen Wellen ...
kleine grüne Pflanzen bis zum Horizont.

Wolfgang Krause Zwieback







VOLKER PFÜLLER

Malerei und Graphik




Ausstellung vom 15. Juli bis 20. August 2017


Hiermit laden wir Sie herzlich ein
zur Eröffnung der Ausstellung
am Sonnabend, dem 15. Juni 2017 um 14 Uhr in die
Galerie im Herrenhaus zu Dobis.






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für V. P.


Berühmt ist Pfüller in Berlin,
in Leipzig, München, auch in Wien,
doch hier im schönen Saalelande
ist er der Große Unbekannte.
Hier liebt man Pferde und auch Ziegen,
die Licht und Gras zu fressen kriegen.
Von Zeichenkunst und von Kultur
fehlt dafür hier auch jede Spur.
*
Im Dorf der Künstler und der Dichter
da freut sich nun Andreas Richter,
und ganz besonders Edith Scholz
ist heute auch de jure stolz,
dass Bilder, Zeichnungen und Hefte,
des Künstlers unerschöpfte Kräfte,
gepaart mit Mühen und Geschick,
zu unser aller großem Glück,
zu sehen sind in großer Menge
in der Besucher wild Gedränge.
*
Geboren nicht in Neuruppin
studierte er in Ostberlin
bei hochdotierten Professoren,
und zeichnet früh schon Bilderbogen,
die er bei Wasser und bei Brot
erfunden hat ganz ohne Not.
*
Der Künstler sitzt bei Sturm und Schnee
mit seiner Welt im Atelier,
doch sitzt er oft auch im Theater
als Bühnenbildner und Berater
von weltberühmten Regisseuren,
die gierig Bildideen hören.
Außer die Räume für die Bühne
muss er erfinden auch Kostüme
für Ballerinen und Akteure
und auch für holde Opernchöre.
*
Wen er abmalt mit Geschick,
ja, der hat wirklich großes Glück.
Alte Kisten, Schachteln, Schilder
sieht der Künstler schon als Bilder,
Dinge ohne Leben, still und heiter,
die leben still als Kunstwerk weiter.
Und dichten tut er auch sehr gern,
denn Verse sind ihm niemals fern.
*
Wenn ein Künstler ist der Vater
und besessen vom Theater,
schätzt er für das gute Leben
eine Frau, die ihm ergeben.
Kochen kann sie und auch malen,
Künstlerin und Liebste sein,
täglich schön sein, lachen, strahlen,
werktätig, nicht nur zum Schein.
Alles das vollbringt Bettina,
wenn der Mann im fernen China
Tusche und Papier muss suchen,
Reis mit Stäbchen isst und Kuchen.
*
Und ist er immer noch nicht schwach
spielt er mit Freunden friedlich Schach,
ganz anders gegen Unbekannte
auf Schachtournieren außer Lande.
Wie schnell ist doch der Gegner matt,
wenn er zum Feind den Volker hat.
*
So zeichnen wie Herr Volker Pfüller
kann höchstens noch Matthaeus Müller
und werden unsre Träume wahr,
so stellt der aus im nächsten Jahr.
Wer Kunst nicht liebt, der sollte Kuchen
Eiscreme und Milchkaffee versuchen,
und dann geläutert von Genüssen
am besten Freund und Freundin küssen.
*
Die noch auf Unerhörtes warten,
die trifft zum Schluss der Blitz im Garten.
Heut brauchen sie sich nicht zu quälen,
geschweige denn ein Bild zu stehlen,
viel lieber eine Graphik kaufen,
und dann beglückt nach Hause laufen.


Helmut Brade, 15. Juli 2017














Volker Pfüller als Maler

Erstmalig bin ich gebeten, zu einer Ausstellung zu sprechen, die, wenn man der Einladung trauen kann, vor 35 Tagen, nämlich am 7. April zu Ende gegangen ist. (Galerie F 92, Berlin, 12. Mai 2017)
Volker Pfüller überrascht mal wieder. Nun mit Malerei. Im vorigen Jahr hatte er gewarnt: »Die nach Ungewohntem lechzen, freuen sich auf 2016.« Es hat etwas gedauert, es ist 2017 geworden. Der Künstler ein Löwe, der lachend den Kopf eines Interessierten, wahrscheinlich an seiner Malerei, im weit geöffneten Maul hält; noch hat er nicht zugebissen! Wann wird es sein? Heute?
Wir kennen ihn als Zeichner. Wer so Großes erreicht hat, dass er des Zeichnens mächtig ist, dem sage ich, dass er einen köstlichen Schatz besitzt, denn er kann Gestalten schaffen, höher als irgend ein Turm, er kann sie mit Pinsel oder Meißel schaffen und jede Mauer, jede Wand wird zu eng und klein sein für die Unbegrenztheit seiner Phantasie. Er kann Ölbilder malen in sanften Tönen, mit mehr Wissen, Kühnheit und Geduld als die meisten Maler. So äußerte sich Michelangelo, ohne je die sanften Töne Pfüllers gesehen zu haben.
Kürzlich schrieb mir Volker in Vorbereitung der heutigen Ausstellung: Ich stelle das erste Mal Malerei in Berlin aus. Ich wollte das schon vor einigen Jahren tun, eine renommierte Galeristin hatte mich gefragt, ob ich bei ihr ausstellen möchte. Ich habe ihr Bilder von mir gezeigt, da sagte sie: »Ach Gottchen, jetzt malt er auch noch! Zeigen sie doch einfach ihre wunderbaren Plakate.« Diese Plakate haben wir oft mit Vergnügen und Freude gesehen. Plakate und auch Bücher entstehen im Auftrag. Sie künden vom Kampf mit zumeist nicht selbst gewählten Inhalten und Auftraggebern, sie müssen etwas bewirken, werben, für sich selbst oder für was auch immer, sie sind unfrei und angepasst. Es mag Ausnahmen geben, die selbstgedichteten Bücher, das ist dann aber eher ungehörig. So ist das auch bei der Arbeit am Theater, bei aller angewandten Kunst, Kunst …, das ist eigentlich ein völlig falscher Begriff für diese Dienstleistungen, die nach Gefallen und Brauchbarkeit bezahlt werden.
Heute sehen wir Freie Kunst! Jetzt macht einer das, was er selber will, er ist rücksichtslos oder, wie es Volker Pfüller von sich behauptet, demütig. Bei den nördlichen Bildern interessiert mich vor allem die Stimmung, das versuche ich demütig zu zeigen. Bei den Reisebildern ist es vor allem die Farbe und der Pinselduktus, da bin ich etwas frecher. Lange habe ich aussschließlich Stilleben gemalt und auch Portraits, (davon waren die meisten schon in Cottbus zu sehen). Die Hinwendung zur Landschaft wird auch damit zu tun haben, dass er neuerdings immermal Zeit hatte, die Studierstube, den düsteren Theatersaal und die studentischen Seminarräume zu verlassen, um erstmalig mit Bewusstsein Landschaften überhaupt zu entdecken.
Wir leben in einer Zeit, wo die Kunst alle Grenzen gesprengt hat. Ich bin oft genug ratlos, ich komme gewissermaßen nicht mehr mit. Manch einem wird es ähnlich gehen, andere wollen aber auch nicht mehr mitkommen, sie freuen sich ehrlich am Unverstehbaren oder boshaft Provokativen. Kürzlich sah ich in einem bedeutenden Museum einen Contemporary Art Prize von 2016: »kunstvoll« zerbrochene Bierbänke und von nasser Wäsche verquollene Luxuspapiere. Andernorts hatte ein Künstler die Jalousien des Museums programmiert, sie gingen auf und zu, hielten auch mal an, machten eine Pause, um sich dann unerwartet wieder zu bewegen, das Licht hereinzulassen oder wegzuschließen. Es passierte nichts. Die Besucher waren erstaunt, verwundert, verzaubert. Niemand schreit.
Eine Gesellschaft, der es besser geht als je in der Menschheitsgeschichte, oder wie sonst nur den Königen, hat scheinbar Freude an Belanglosigkeiten und wohl auch an düsteren Zukunftsprognosen. Allerlei Künstler trinken ihren Rotwein mit Krokodilstränen. Wenn sie das Maul zu weit aufreißen, kommen die Tränen. Das Krokodil ergreift einen Menschen und frißt ihn auf von den Füßen ab bis zur Wirbelsäule. Wenn es nahe an den Kopf kommt, setzt es sich hin und weint. So geht das wirklich nicht! Der Schauspieler und Regisseur Herbert Fritsch hat es kürzlich, bezugnehmend auf ähnlich bedenkliche Tendenzen der Darstellenden Kunst, deutlich formuliert: Wir wollen leben, und nicht das Schwarze noch schwärzer machen. Jedenfalls kann das nicht der Sinn von Kunst sein. Insofern ist Volker Pfüller mit der ganzen Breite seines Schaffens für mich das leuchtende Beispiel einer optimistischen und humorvollen künstlerischen Haltung, die unsere wahrhaft großen Probleme nicht ausklammert, aber etwas dagegen setzt. Und ganz besonders seine Malerei ist dafür ein gutes Beispiel.
Nun sehen wir einen Strand, Wasser, Himmel, Sand, den Pavillon Nummer 5 und ein paar Kiefern. Das ist sie also, die Stimmung, die den Künstler interessiert. Haus, Baum, Hecke, Wald; farbenfroh im Sommer, sehr fein und fast ohne Farben im Winter. Die Birke hat kein einziges Blatt mehr, und auf dem Dach liegt Schnee. Grüne Häuser, rote Häuser, Wege, Wolken. Ein einsames Haus, fast nur das Dach und ein einziges Fenster. Ein freches Haus, mit einem grünen Fenster im Giebel. Ein Stuhl. Ein Vogelhaus. Die exotische Fremde mit Palmen, immer wieder Palmen, mal blau, mal rot im Abendlicht. Ja, schön ist die Welt, in der wir leben. Wir müssen es nur merken und in uns aufnehmen. Es scheint heute schon mutig, wenn uns ein Maler daran erinnert. Hintergründiger Humor (wie in den Plakaten): nein. Wo ist die kraftvolle Expressivität? Nicht da. Es geht um etwas ganz anderes. Eine Malerei, die sich nicht um gegenwärtige Tendenzen schert, sondern spotan, genau, »kunstlos« aus der Mitte des Lebens kommt und uns, die Beschauer, wohlmöglich dahin zurückführt. Es ist nicht die schöne Dekoration, hier geht es ums Ganze, um den Hinweis auf unsere fast schon vergessene, einfache, unverdorbene und demütige Existenz. Ich behaupte nun, diese Bilder übertragen auf den Beschauer Freude und Beglückung. Man kann bestimmt mit ihnen leben, sie sind nicht so schnell zu Ende gesehen.
Sehen Sie sich die Bilder nur genau an. Kaufen Sie das eine oder ein anderes. Lassen Sie sich verführen. Haus, Acker, Ufer, See. Freuen Sie sich am inzwischen schon Ungewohnten!

Helmut Brade








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salve!
HARTWIG EBERSBACH

Malerei und Graphik




Ausstellung vom 3. Juni bis 9. Juli 2017


Hiermit laden wir Sie herzlich ein
zur Eröffnung der Ausstellung
am Sonnabend, dem 3. Juni 2017 um 14 Uhr in die
Galerie im Herrenhaus zu Dobis.






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Hartwig Ebersbach in Dobis




Spätestens 1974 erregten 12 Bilder von Hartwig Ebersbach das öffentliche Interesse eines breiten Publikums. Es war seine mit den Mitteln der Malerei formulierte Solidarität mit den Opfern des Militärputsches in Chile, die er in einen direkten Zusammenhang mit der Tragödie der Pariser Kommune stellte. Angeregt war er durch das entsetzliche Polizeifoto von 1871, das die Leichen der Kommunarden in offenen Holzkisten zeigt. Ebersbachs Malerei war von einem drastischen Realismus geprägt, der sich einer groben, vom Standpunkt geschmäcklerischer Ästheten aus gesehen abstoßenden pastosen Malweise bediente. Schon damals war klar, dass seine Inhalte in Tiefen menschlicher Existenz weisen, die eigene Formen verlangen. Das wurde mit ängstlicher Ablehnung aufgenommen, obwohl seine Haltung eindeutig war.
Seine Malerei macht es dem Beschauer nicht leicht. Es ist klar,
auch wenn sie noch so frei ist, noch so abstrakt aussieht, sie ist niemals gegenstandslos.

Hartwig Ebersbach sammelt Kasperpuppen, alte, neuere, städtische, ländliche. Sie sind Ausdruck unverstellter Volkskultur. Viele davon hat er um sich, hunderte.
Der Kasper ist der Frechdachs, der anderen die Nase zeigt. Der den Teufel bekämpft und sich mit allen anlegt, aber auch hilft. Und er ist ein Held, wenn auch selten Sieger, weil er oft ein paar auf die Mütze kriegt. . . . Der größte Kasper, genau, das bin ich.
Er hat sein Puppen portraitiert. Das sieht anders aus, als es ein Foto darstellen könnte. Dieses sein „Anders Sehen“ ist schließlich auch der Schlüssel zum Verständnis all seiner Malerei. Es geht nicht um abbilden, das wäre ihm zu wenig und auch uninteressant. In einem Text, der die Ausstellung begleitete, die im Frühjahr in der Galerie Jochen Hempel in Leipzig stattgefunden hat, hat er seine Einstellung deutlich formuliert. Dieser Text ist auch in dem kleinen Beiheft unserer Ausstellung abgedruckt. Ich lese ihn trotzdem noch einmal vor:

Rückblickend wäre wohl vieles möglich gewesen, in jeder Richtung, früh schon wurden mir Geniestreiche nachgesagt.
Vorausblickend jedoch, seinerzeit bereits, nicht Last, nicht Lust würden mich fordern,
es würde die Existenz sein, die Sinn verlangt und in die Tiefen hineinzwingt.
Vom Hallo-Kunstmarkt lange entzückt, schließlich entkommen, meiner Fata Morgana folgend, auf der Suche nach der Bestimmung, wie sich herausstellen sollte, im Rückblick, im Erinnern, in Träumen, stets in deutlicher Nähe zu den mythischen Gewalten Zugang erhalten und sich erlösen, Besinnung. Das Terrain ist explosiv, wie sich in meiner Arbeit zeigt, es führt zur Radikalisierung, immer schon, nun, im Alter, noch zur Bosheit. Also in elementarer Offenheit, in geübtem, professionalisiertem Dilettantismus, rauschhaft, okkult, vom tiefsten Erinnern kündend, der Künstlerschamane, natürlich auf Barrieren stoßend, in der Oberwelt, in der wir uns als Umherirrende vorfinden, auf dem Vulkan wird wieder getanzt werden? Cortège
(Leichenzug), keine gute Verheißung. Eine Vermählung mit der Welt ist in weite Ferne gerückt. Mein Entsetzen über die Welt verspürend, erreicht mich im Traum:

„Aber ich bin ein See,
in mir eine Versammlung von Schatten,
ich lasse sie zur Blüte kommen,
Nymphaea
(Seerose),
begleitet vom Totenvogel,
wie vom Licht der Laterne der Seele.“
Time!

Wir können nicht erwarten, dass ein solches Programm mit bekannten Mitteln bearbeitet wird. Diese Bilder sind nicht in harmloser Redlichkeit gemalt, es sind eher Vulkanausbrüche, Prozesse rauschhaften Schaffens, zwar kontrolliert, aber ganz von trancehafter Exzentrik geprägt, die sich jenseits fassbarer Realität entwickelt. Immer gibt es das Thema, das thematische Anliegen, den Traum, die Vision, die Offenbarung, das aber in urgewaltiger Verfremdung hervorbricht, rücksichtslos und unerwartbar. Wir, die gewohnt sind, Bilder im Vergleich mit persönlicher Erfahrung zu sehen, werden in unbekanntes Gefilde gelockt, das aber keinesfalls beliebig und formlos ist, sondern einen eigenen Ausdruck findet, der verwirrend sein mag oder eben die Einladung ist zu einem Spaziergang in diese eigene und vielleicht unbekannte Welt.
Die Portraits der Kasperpuppen sind nicht die Nachahmung ihrer äußeren Form, sondern das Offenlegen ihres eigentlichen Geheimnisses, oder nur ihres Wesens. Als Hartwig Ebersbach das Verhältnis zwischen gemalter Fläche und weiß übrig gebliebenem Grund allzu eisig empfunden hatte, färbte er die Gründe mit Tee und japanischer Sojasauce. Wir wollen nun keine tieferen alchimistischen Prozesse beschwören, aber es zeugt doch von einer bemerkenswerten Bindung an rituale Materialien, die für den Schöpfer die versöhnende Tat ermöglichte. Diese Bilder sind Kampffelder geistiger und doch ganz irdischer Begebenheiten.


Ein Künstler, der sich nicht damit abfindet, in der Oberwelt herumzuirren, sondern versucht, oder nicht unterlassen kann, nachzufragen, ob es noch etwas Tieferes geben könnte. Wie er es geschafft hat, trotzdem hinreichend verstanden zu werden, bleibt ein Rätsel und spricht für das instinktive Verständnis der Mitlebenden. Seine erschreckend deutliche Verweigerung, den angepassten Wegen des Kunstmarktes zu folgen, entspricht keiner spekulativen Haltung, sondern dem verwurzelten und trotzigen Anspruch künstlerischer Berufung. Erfreulich nebenbei, dass er damit nicht in der Gosse gelandet ist. Sein Platz in der Kunstgeschichte des 20 Jahrhunderts ist unbestritten.

Laterne der Seele,
ein Bildtitel. Dieser Wunsch der Erhellung der Oberwelt erinnert an Nietzsches „tollen Menschen“, der am hellen Vormittage eine Laterne anzündete, auf den Markt lief und unaufhörlich schrie: „Ich suche Gott! Ich suche Gott!“ Bei Nietzsche wird kein Gott mehr gefunden. Auch Wolfgang Borchert möchte Laterne sein. „In einer engen / Gasse möcht ich hängen / als rote Blechlaterne / vor einer Taverne — / und in Gedanken / und im Nachtwind schwanken / zu ihren Gesängen.“
Unser Künstlerschamane Hartwig Ebersbach, (Zauberpriester bei asiatischen Naturvölkern) stellt uns vor so manches Rätsel, aber ich bin mir völlig sicher, dass seine Malerei in aller Fremdheit uns sehr viel angeht, und dass es sich lohnt, hinter ihren, eben
tieferen, Sinn zu kommen.

Helmut Brade, Dobis, den 3. Juni 2017













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Cortège, 2015. Öl auf Leinwand, ca 210 x 400 cm




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Time, 2015. Öl auf Leinwand je 70 x 50 cm













Kunst im Saaletal - der vierte Jahrgang

Es ist wieder soweit, die Galerie im Herrenhaus zu Dobis beginnt am 30. April ihre vierte Saison. Das Galeristenpaar, Edith Scholz und Andreas Richter, haben für die zahlreichen Freunde dieser Kunstoase im Saaletal hochkarätige Künstler für die Ausstellungen des Jahres 2017 gewinnen können. Zu sehen sein werden Werke der Maler Frank Hauptvogel, Hartwig Ebersbach und Gerhard Schwarz sowie des Grafikers, Plakatgestalters und Bühnenbildners Volker Pfüller. Begonnen wird die Saison am 30. April 14 Uhr mit Arbeiten des in Halle lebenden Fotografen Norbert Kaltwaßer. Er präsentiert Fotografien unter dem Titel „Matamorphosen“. Man betritt in der Ausstellung im Herrenhaus zu Dobis die Welt der griechischen Mythen und Geschichten, wird gefangen genommen von großformatigen, in ihrer Farbigkeit verhalten fotografierten Szenen und taucht ein in die Welt des Ovid. Der Künstler nennt diesen Hauptteil der Ausstellung „Die Schönheit der Attitüde“. Professorenporträts sowie außergewöhnliche Stillleben runden diese sehenswerte Fotoausstellung ab. Jochen Ehmke







Norbert Kaltwaßer
METAMORPHOSEN


Ausstellung vom 30. April bis 28. Mai 2017


Hiermit laden wir Sie herzlich ein
zur Eröffnung der Ausstellung
am
Sonntag, dem 30. April 2017 um 14 Uhr in die
Galerie im Herrenhaus zu Dobis.









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